Akademie der bildenden Künste Wien
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Ausstellungseröffnung | 03.05.2007, 19.00 h
Ausstellungsdauer | 04.05.2007 - 27.05.2007
Ort | Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010 Wien, Ausstellungsräume, täglich von 11.00 – 18.00 h, Eintritt frei

 

© Karl Wutt: Pashai-Dorf Utran, 2004

 

Begrüßung | Andreas Spiegl, Vizerektor für Lehre und Forschung der Akademie der bildenden Künste Wien
Einleitung | Karl Wutt

"Viele der besuchten Dörfer kenne ich nur flüchtig. Sie waren mitunter abweisend - muslimische Dörfer, die ihre Frauen vor Fremden verbargen. In gewisser Hinsicht waren die Täler (Dörfer) weniger zugänglich als ihre Berge, bei denen es bloß eine 'Konditions- und Ausrüstungsfrage' war, dass sie einen heranließen. Und es gab Dörfer, die selbst wie abgestufte Berge waren, die man erst - Dach für Dach über Steigbäume - erklettern musste."

Karl Wutt Pashai-Dorf     © Karl Wutt: Pashai-Dorf Aret, 1976    

Seit 1971 bereiste Karl Wutt, der am Institut für Kunst und Architektur der Akademie gelehrt hat, mehrfach Afghanistan. 1975 und 1976, noch vor Militärputsch und sowjetischem Einmarsch, studierte er Architektur und Musik dreier Pashai-Gruppierungen - Sum, Shinganek und Chugani. Er verfasste die einzige Dokumentation der vorislamisch geprägten Architektur der Pashai, die (trotz anderer Sprache) kulturell mit ihren nördlichen Nachbarn, den Nuristani, verwandt sind.

Karl Wutt Portrait 1996     © Karl Wutt: Portrait, Kalasha-Dorf Brun, 1996    

Nach dem Krieg, einem Blackout von sechsundzwanzig Jahren, kehrte er dreimal in das Gebiet der Pashai zurück. Seine Aufnahmen zeigen, wie der Krieg diese Menschen, Habitus und Habitat, verändert hat. Noch vor dem Krieg brachte er einige Holzschnitzer der Pashai dazu, ihre Motive (Ornamente) zu Papier zu bringen. Gleiches versuchte er im pakistanischen Grenzgebiet bei den kulturell verwandten Kalasha. Neben rund siebzig Fotografien zeigt die Akademie der bildenden Künste Wien auch eine Auswahl dieser Zeichnungen, die Karl Wutt im Laufe seiner zwölf Besuche zwischen 1973 und 1997 gesammelt hat.

"Zwei Gegenden spielen in meinem Leben eine besondere Rolle: Die eine ist das Pashai-Gebiet in Afghanistan, wo ich das 'materielle Substrat' einer Kultur - die Architektur eines Volkes noch vor Ausbruch des Bürgerkrieges, der dann zwei Jahrzehnte währte - studierte, sodass mein Buch die einzige Beschreibung der Pashai-Architektur vor den Zerstörungen des Krieges enthält, und das Kalasha-Gebiet in Pakistan. Die Kalasha sind bekanntlich die 'letzten Kafiren', da sie auf damals anglo-indischem Gebiet der Zwangsislamisierung ihrer Nachbarn in Afghanistan, der heutigen Nuristani, entgingen. Als ich sie 1973 das erste Mal besuchte, waren ihre Dörfer noch fernab gelegen. Schon damals kam ich beim Studium ihrer Architektur darauf, sie ihre Symbole - ihre Welt - zeichnen zu lassen: Ich besuchte die Kalasha zwölf Mal - von 1973-1997 - und hielt mich insgesamt etwa ein Jahr bei ihnen auf."

Karl Wutt Portrait     © Karl Wutt: Portrait, Oigal, 1976    

Karl Wutt

Geboren 1943 in Buchscheiden.
Nach dem Studium der Architektur dissertierte er 1978 über die "Architektur einiger Hindukusch-Täler" bei Walter Dostal, Institut für Völkerkunde Wien. 1990-2004 lehrte er an der Akademie der bildenden Künste Wien (Institut für Kunst und Architektur, Bereich Habitat, Environment & Conservation).

Wutt unternahm Feldforschungen bezüglich der Architektur tribaler Ethnien in Afghanistan und Pakistan und auf dem Gebiet der Urban Anthropology. Seine besondere Vorliebe gilt den zwei Medien der Fotografie und der Zeichnung. Von 1973 bis 1997 baute er eine Sammlung von Zeichnungen der Kalasha auf, zu der mehr als 200 Personen, Angehörige einer vorislamischen Kultur Pakistans, "die letzten Kafiren des Hindukusch", beitrugen. Parallel zu seinen Arbeiten entstand ein privates Fotoarchiv.

Karl Wutt Kalasha     © Karl Wutt: Verdienstfest der Kalasha, Dorf Balanguru (Pakistan), 1973    

Publikationen (Auswahl):
Karl Wutt: Landschaft. Menschen. Architektur, Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1981

Karl Wutt: Afghanistan. Auf den zweiten Blick, Akademie der bildenden Künste Wien, Wien 2007
Deutsch, 38 Seiten, EUR 2,--
erhältlich in der Ausstellung


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