Akademie der bildenden Künste Wien
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Eröffnung | 25.01.2007, 18.00 h
Ausstellungsdauer | 26.01.2007 - 29.04.2007
Ort | Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, OG1, 1010 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10.00 – 18.00 h

 

Saalansicht
© Bartholomäus Kinner

 

Antike Bildnisse dienten schon in der Antike als Botschaftsträger und sind als Chiffren für Bildung, Kunstverstand oder politische Festlegung des Auftraggebers zu verstehen. Ihre Verwendung als Vorbilder zieht sich durch die gesamte Kunstgeschichte. Eine Auswahl an antiken Bildnissen aus der Glyptothek der Gemäldegalerie steht im Diskurs mit Zeichnungen des Historienmalers Franz Caucig und Arbeiten von Valery Koshlyakov und Philip Patkowitsch.

Im Besitz des Kupferstichkabinetts befinden sich an die 2000 Zeichnungen von Franz Caucig, der von 1796-1828 als Korrektor, Professor der Historienmalerei und Direktor der Maler- und Bildhauerschule tätig war. Die während seines, von der Akademie bezahlten, zehnjährigen Romaufenthaltes angefertigten Zeichnungen dienten ihm als Vorlagen für Historienbilder und stellen heute eine hervorragende Quelle bei der Rekonstruktion von damaligen römischen Antikensammlungen dar.

Caucig3     Franz Caucig: Statue einer Tochter der Niobe, so genannte Psyche, 1781
© Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien  
 

Sammlungen von Antiken und deren Gipsabgüssen stellten für die Akademien des 18. und 19. Jahrhunderts eine der wichtigsten Lehrmittel dar, bildete doch das Zeichnen "nach dem Runden" einen wesentlichen Bestandteil des Unterrichts. Heute sind diese überall nur mehr rudimentär vorhanden, so stellt der Bestand der Glyptothek der Akademie der bildenden Künste Wien einen geringen Bruchteil der ehemals in der Aula und den Ausstellungsräumen aufgestellten Sammlung dar.

Caucig   Franz Caucig: Statue einer Tochter der Niobe, so genannte Psyche, 1781
© Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
 

Für Franz Caucig, dem Historienmaler, waren die während seines Italienaufenthaltes 1779 -1787 geschaffenen Zeichnungen Notizen für seine Bilder und deshalb ein unschätzbares Grundkapital für späteren Arbeiten. Die Bedeutung seiner Antikenzeichnungen für die heutige Forschung liegt vor allem in der Dokumentation ehemaliger, heute aufgelöster Sammlungen, wodurch Bildquellen für deren Rekonstruktion zur Verfügung gestellt werden.

Die erste Adresse für österreichische Künstler in Rom war sicherlich die Villa Medici, da sie als Medici Erbe zur Toskana und deshalb der Linie Habsburg-Toskana gehörte. Dies Sammlung befand sich aber bei der Ankunft Caucigs bereits in Auflösung, da Erzherzog Leopold die Kunstwerke nach Florenz bringen lies, bevor er die Villa 1787 zum Verkauf anbot. Den größten Teil zeichnete Caucig wahrscheinlich in der Accademia di Francia, der römischen Zweigstelle der Académie des Beaux Arts von Paris, die eine der bedeutendsten Sammlung von Abgüssen besaß. Sie enthielt Gipse von Skulpturen aus alten Beständen des 15., 16. und 17. Jahrhunderts wie den Sammlungen der Cesi, Medici, Farnese, Mattei, Ludovisi oder Borghese und wurde beständig um Neufunde erweitert.

Rom war das Zentrum der vor allem durch Johann Joachim Winckelmann propagierten Idealen des Klassizismus, die ihren Höhepunkt in der Ausstellung des "Schwur der Horatier" von Jacques-Louis David 1784 fand, zu deren Besucher sicherlich auch Caucig gezählt hatte. Sein Freundes- und Bekanntenkreis bestand aus den berühmtesten Künstlern der damaligen Zeit in Rom: Antonio Canova, Anton von Maron, Pompeio Batoni, Michael Wutky, Hans Heinrich Füger, Joseph Bergler, Angelika Kauffmann und ihr Mann Antonio Zucchi.

Caucig2   Franz Caucig: Kopf des Eros von Centocelle, "Genio", 1784
© Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
 

Die Faszination, die die Antike noch immer auf Künstler ausübt zeigen die Arbeiten des russischen Künstlers Valery Koshlyakov, der seine Verwendung der klassischen Ideale als persönlichen Gegenvorschlag zu den heute propagierten ästhetischen Idealen versteht.

k   Valery Koshlyakov: Alexander's Head, 2006, Spray auf Leinwand
© Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
 

"Koshlyakov versteht seine Verwendung der klassischen Ideale als persönlichen Gegenvorschlag zu den heute propagierten ästhetischen Idealen. Die Überhöhung der Antlitze griechischer Götter, deren Schönheit aus Sicht des Künstlers nicht mit der Schönheit alltäglicher Passanten konkurrieren kann, wird in seinen gesprühten Portraits thematisiert. High and low - unsere heutigen Schönheitsideale sind für Koshlyakov entleert und die Thematisierung der antiken Ideale verweisen auf eine Zeit, in der man noch an die Einheit des Guten, Wahren, Schönen glaubte". (Sabine Dorscheid)

Patkowitsch1   Philip Patkowitsch: O.T., 2007, Graphit, Farbstift, Tusche, Öl auf Papier
© Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
 

Philip Patkowitsch abstrahiert in seinen Arbeiten die Darstellungsinhalte und stellt diese in einen neuen, offenen Kontext, wodurch der Betrachter zu eigenen Interpretationen aufgefordert wird. 1981 geboren repräsentieren seine Arbeiten die malerischen Positionen der jungen Generation.

Die Präsentation der antiken Bildnissen wurde von Bartholomäus Kinner aus der Klasse Textuelle Bildhauerei unter Heimo Zobernig konzipiert und durchgeführt.

Patkowitsch2   Philip Patkowitsch: O.T., 2007, Graphit, Farbstift, Tusche, Öl auf Papier
© Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
 

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