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Zur Repräsentation und Produktion von Sexualität in der visuellen Kultur
Symposion
21. und 22.11.2003
Ordinariat für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst, Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, Mezzanin 13 a, 1010 Wien

Die Omnipräsenz sexueller Repräsentationen in Kunst- und Alltagskultur, die gegenwaertig in einer Flut erotisch-sexueller Darstellungen, Begriffe und Metaphern zum Ausdruck kommt, korreliert mit einer Vielfalt ambivalenter Konzepte von Weiblichkeit und Männlichkeit. Die Konstitutierung des Subjekts erfolgt an den Schnittstellen zwischen Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexueller Praxis und Phantasie, die dabei in keinem direkten oder kausalem Zusammenhang stehen. Diskursive und nicht diskursive Praktiken bringen jedoch ein sexualisiertes Subjekt hervor, dass Sexualität als seine "innerste Natur" begreift. Im Rahmen des Symposions soll anhand konkreter Phänomene in der visuellen Kultur (Kunst, Ausstellungen, Modefotografie, Fernsehen, Film u.a.) Sexualität im Spannungsfeld zwischen Repräsentiertem, Nicht-Repräsentiertem und Nicht-Repräsentierbarem analysiert werden. "Bilder" sind dabei sowohl als Regulierungspraktiken mit normativen und naturalisierende Effekten zu verstehen als auch als Potentiale für subversive Strategien im Rahmen des Symbolisch-Imaginären. Eine besondere Rolle kommt in diesem Zusammenhang der Widersprüchlichkeit (hetero)sexueller Konzepte und sogenannter abweichender "Sexualitäten" zu, die Ansatzpunkte und Möglichkeiten zu einer performativen Verschiebung tradierter Bilderwelten liefern.
Doris Guth

Freitag, 21. November 2003

15.00 Uhr
Gabriele Werner
Unmögliche Positionen? Kindliche Weiblichkeit, weibliche Kinder und die Wahrnehmung des Körpers als Oberfläche

16.00 Uhr
Marc Siegel
Community Service: Representing Public Sex

abgesagt: 17.00 Uhr
Angela McRobbie
What Not To Wear (refers to popular TV programme). Visual Antagonisms within the Field of Femininity

Samstag, 22. November 2003

15.00 Uhr
Cristina Nord
In & Out: Sichtbares und Unsichtbares im Queer Cinema der letzten Dekade

16.00 Uhr
Sigrid Schade
Le Sexe de l'exposition artistique. Zwischen Spektakularität und Dekonstruktion: Kunstausstellungen und ihre Sexualitäten

17.00 Uhr
Sigrid Adorf
Mit Blick auf die Scham. Zur Ambivalenz der Darstellung des eigenen Körpers in Selbstinszenierungen von Künstlerinnen der 70er und 90er Jahre

Abstracts

Angela McRobbie
What Not To Wear (refers to popular TV programme). Visual Antagonisms within the Field of Femininity

This lecture considers the post-feminist climate in popular culture and in particular the new normativity of heightened antagonisms and overt hostility between young women within the realm of body and appearance, often expressed with resonances of class 'hatred'. Drawing on the work of Bourdieu and Butler the lecture considers the regulative dimensions marking the end of gender 'solidarity' as a manifestation of post-feminism. It also considers the means by which popular culture becomes the site for the production of new forms of hierarchy and differentiation acted through processes of female individualisation. The lecture will draw on clips of the BBC TV programme What Not to Wear.

Angela McRobbie ist Professorin für Kommunikationswissenschaften am Goldsmit's College London und Autorin einiger Bücher und zahlreicher Artikel. Der oben beschriebene Vortrag ist ein Kapitel ihres neuesten Buches Feminism and the TV Blonde, das demnaechst erscheinen wird.

Cristina Nord
In & Out: Sichtbares und Unsichtbares im Queer Cinema der letzten Dekade

Wer je einen Coming-Out-Film gesehen hat, kennt diese Szene: Der junge Schwule oder die junge Lesbe tritt vor die Klassenkameraden, die Eltern oder die Clique, um sich vor aller Augen zur bisher verheimlichten Homosexualität zu bekennen. Oft wird dieser Schritt in die Sichtbarkeit mit großer Geste inszeniert, als Happy end einer konfliktreichen education sentimentale. Das Queer Cinema scheint der Bewegung seiner Helden zu folgen: So wie diese sich nach gesellschaftlicher Akzeptanz sehnen, so will auch jenes im filmischen Mainstream ankommen, mag sein Name noch so sehr auf Abweichung pochen. Was aber, wenn die neu gewonnene Sichtbarkeit "nur neue Undurchsichtigkeit" (Judith Butler) entstehen lässt? Wenn Filme wie In & Out, Get Real oder Better than chocolate nicht nur positive Selbst- und Vorbilder erzeugen, sondern darüber hinaus etwas vergessen machen? Welchen Bildern verhilft das Queer Cinema zurzeit zur Sichtbarkeit, welchen nicht? Und welche Gründe gibt es dafür?

Cristina Nord, arbeitet seit Februar 2001 als Filmredakteurin im Kulturressort der "tageszeitung" (Berlin). Zahlreiche Veröffentlichungen zu Film, Literatur, Kunst und Genderthemen. Beiträge zu Tom Holert (Hg.): "Imagineering. Visuelle Kultur und Politik der Sichtbarkeit", Oktagon, Köln 2000 und in: Hubertus Butin (Hg.):"DuMonts Begriffslexikon zur zeitgenössischen Kunst", DuMont, Köln 2002.

Sigrid Schade
Le Sexe de l'exposition artistique. Zwischen Spektakularität und Dekonstruktion: Kunstausstellungen und ihre Sexualitäten

Am Beispiel von Kunstausstellungen der letzten zwei Jahrzehnte möchte ich unterschiedliche Strategien zeigen, mit der Frage von Repräsentation und Sexualitäten umzugehen. Ausstellungen bieten einen Rahmen, eine Lektuerehilfe oder -anweisung, das Ausgestellte zu verstehen. Gerade dann, wenn zeitgenössische Kunst gezeigt wird, zu der noch kein kanonisierter Diskurs existiert, geben Ausstellungen eine Richtung der Interpretation vor. Zugleich partizipieren sie an dem spezifischen Voyeurismus, den die künstlerischen Produktionen, die sich mit Körper und Sexualität auseinandersetzen, adressieren. Ausstellungen sind im Sinne Foucaults institutionelle Orte und Diskurse, die an der Sexualisierung des Wissens und den Konstruktionen von Sexualität teilhaben. Beispiele sind u. a. folgende Ausstellungen: Difference. On Representation and Sexuality. The New Museum of Contemporary Art New York u. ICA London 1985, Corporal Politics. MIT List Visual Arts Center Cambridge Mass. 1992, Oh boy, it's a girl. Feminismen in der Kunst. Kunstverein Muenchen 1994, Fémininmasculin. Le sexe de l1art. Centre Georges Pompidou Paris 1995.

Sigrid Schade ist Kunst- und Kulturwissenschaftlerin, leitet seit 2002 das Department Cultural Studies in Art, Media and Design der Hochschule fuer Gestaltung und Kunst in Zürich, zuvor Professorin für Kulturwissenschaft und Ästhetische Theorie an der Universität Bremen.

Marc Siegel
Community Service: Representing Public Sex

Public parks and toilets are well-known -- and well-disguised -- eroticized sites for men seeking sex with other men. The particularities of cruising for sex in these spaces have been the subject of a good deal of recent queer theory as well as an important reference point in a number of contemporary artworks and installations. This presentation will consider the phenomenon of cruising for sex and its relationship to questions of representability and sexual subjectivity. In addition to discussing work by the American artists Tim Blue, Tom Burr, and Donald Moffett, I will consider in detail the media spectacle of pop star George Michael's 1998 arrest for lewd conduct in a Los Angeles bathroom. By mobilizing recent theories of sexuality and sociality, I will suggest the complex relationship of cruising to notions of visibility, sexual identity, and community ethics.

Marc Siegel ist Filmwissenschaftler und kuenstlerischer Leiter von CHEAP, eine multi-media Performancegruppe in Berlin. Er publizierte mehrere Artikel über Experimentalfilm und queer studies in Europa und in den USA. Zur Zeit arbeitet er an seiner Doktorarbeit zum Thema "Queer Film, Video, and Gossip". Er ist Lehrbeauftragter für Filmwissenschaft an der Freien Universitaet Berlin.

Gabriele Werner
Unmögliche Positionen? Kindliche Weiblichkeit, weibliche Kinder und die Wahrnehmung des Körpers als Oberfläche

In Modemagazinen erfüllen Bilder von erotisierten Mädchen die Funktion, über ein Bild das diese verweiblicht, ein Bild des Weiblichen zu propagieren, in dem dieses "vermädlicht" wird. Dies geschieht nicht über das Objekt des Bildes, sondern ueber die Subjekte der Blicke. Zugleich reagiert diese affirmative Zurschaustellung reduktionistischer und "vermädlichter" Weiblichkeit in der Modefotografie auf subversive Praktiken der Mädchen- und weiblichen Subkultur, der "Girlies". Die These ist, dass die seit jüngerer Zeit von jungen Frauen zur Schau gestellten nackten Bäuche weniger als erotische Signale zu verstehen sind, sondern vielmehr einem Diana-Kult folgen. Der nackte Bauch verliert seine Leiblichkeit und wird zum Bekleidungsstück.

Gabriele Werner, Univ.-Prof., Universität für angewandte Kunst Wien, Abt. Kunstgeschichte; vormals wiss. Mitarbeiterin am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik, Abt. Das technische Bild; Dissertation zum Thema: Mathematik im Surrealismus. Man Ray, Max Ernst, Dorothea Tanning.

Sigrid Adorf
Mit Blick auf die Scham. Zur Ambivalenz der Darstellung des eigenen Koerpers in Selbstinszenierungen von Künstlerinnen der 70er und 90er Jahre

Zahlreiche Selbstinszenierungen von Künstlerinnen der 60er und 70er Jahre (Valie Export, Lynda Benglis, Hannah Wilke u.a.) provozieren das Verhältnis von Angeschautem und Schauendem und problematisieren die geschlechtliche Zuweisung der Positionen von Subjekt und Objekt im Kunstkontext. Sie reagieren auf ein voyeuristisches Blickregime in Kunstgeschichte, Avantgarde und Werbung, das das Bild der Frau als Sexobjekt in Beschlag hielt. Künstlerinnen der 90er Jahre, die sich nun ihrerseits auf eine feministische Tradition beziehen konnten, haben die Strategien der Vorgängerinnen wieder entdeckt und erneut einzusetzen verstanden. Dabei aber ist ihr Referenzsystem notwendigerweise ein anderes, das nun die feministische Repräsentationsgeschichte der 70er und 80er Jahre einbeziehen muss. Zwischen dem Insistieren stereotyper Bilder und ihrem Variieren, dem Wiederholen und Abweichen, Kopieren und Korrigieren gilt es die Darstellung des eigenen Körpers kritisch zureflektieren? wieder und wider.

Sigrid Adorf, Kunstwissenschaftlerin, 2000-2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für feministische Studien der Universität Bremen mit Lehrtätigkeit im Studiengang Wissenschaft/Kunstpädagogik, anschließend Promotionsabschlussstipendiatin der Universität Bremen.

Akademie der bildenden Künste Wien
Ordinariat für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst
Tel: (01) 588 16-131 und (01) 588 16-194
gegenwart@akbild.ac.at

Mit Unterstützung der Akademie der bildenden Künste Wien und des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur


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