Akademie der bildenden Künste Wien
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7.6.2010

 

v.l.n.r. Andreas Mailath-Pokorny, Marion von Osten, Johanna Schaffer, Stephan Schmidt-Wulffen
Foto: Alexandra Kromus, PID

 

Der Wiener Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny kam am 1. Juni 2010 die Akademie der bildenden Künste Wien, um sich bei einem persönlichen Besuch im Rektorat über die beiden vom WWTF bewilligten Forschungsprojekte zu informieren.

Wissenschaft und Kunst sind beides Bereiche, die in der Gesellschaft immer wieder ihre Existenzberechtigung verteidigen müssen. Noch stärkeren Erklärungsbedarf haben Projekte, die beides vereinen: Künstlerische Forschung ist ein neues, boomendes Gebiet, das oft - auch bei Wissenschaftlern und Künstlern - auf verdutzte Gesichter stößt. Trotzdem sprießen auch in Österreich Förderungen von künstlerischer Forschung und ebnen einen Weg in eine (verständnisvollere) Zukunft. Neben dem FWF, der bereits sieben PEEK-Projekte finanziert ("Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste"), engagiert sich auch die Stadt Wien bei der Förderung dieser Verbindungen von Wissenschaft und Kunst: In zwei "Art(s) & Science"-Calls wurden bisher zehn Projekte (aus 120 Anträgen) mit 2,77 Millionen Euro vom WWTF gefördert.

An der Akademie der bildenden Künste präsentierten diese Woche Forscher (bzw. Künstler) ihre nun gestarteten Projekte. Vizerektor Andreas Spiegl scherzte gleich über den politischen Handlungsbedarf, den er schon bei Formularen zur Förderung von künstlerischer Forschung ortet: "Da gibt es immer die Frage: ,Wie viele Patente werden aus dem Projekt hervorgehen?'" Die Patentierung von Erfindungen und Entdeckungen ist freilich nicht das Ziel dieses Forschungszweigs - auch wenn hier durchwegs "patente Leute daran arbeiten", wie es Michael Stampfer vom WWTF ausdrückt.

Das bewies sogleich Marion von Osten, die das Projekt "Model House - Mapping Transcultural Modernism" leitet. Darin geht es um die Entwicklung der Architekturmoderne in Nordafrika, Indien und China. "Man sieht die ästhetischen Ähnlichkeiten", sagt von Osten. Sie vergleicht modernistische Wohnbauprojekte aus Marokko und Algerien, die neu geplante Stadt Chandigarh in Indien und den Wohnbaukomplex auf dem Campus der Tsinghua-Universität, die alle in der Zeit der Dekolonisierung in den 1950ern und 1960ern gebaut wurden. Die "nichtwestlichen" Akteure und alle ihre Vernetzungen sollen nun aufgezeichnet werden und erkennen lassen, aus welchem Wissen sich der Modernismus entwickeln konnte.

Das zweite Projekt beschäftigt sich mit der Metaebene der künstlerischen Forschung: Woher kommt international das wachsende Interesse daran? Welches Potenzial und welche Gefahren stecken darin? "Künstler haben teilweise zurecht Angst, dass die Forschung sie einschränkt", sagt Johanna Schaffer von "Troubling Research", das anhand von acht künstlerischen Forschungssituationen auch den Gewinn für die Künstler erkunden will.

An der Akademie der bildenden Künste wurde das eng damit verbundene Doktoratsprogramm "PhD in Practice" eingerichtet. "Für vier Studienplätze gab es 140 Anmeldungen", sagt Rektor Stephan Schmidt-Wulffen. Daraufhin entschied man sich für acht geförderte Stellen zur künstlerischen Forschung. In Zukunft soll in Wien eine Gruppe von 20 hochqualifizierten Leuten gebildet werden, die Basis eines europaweiten Netzwerks dieses boomenden Gebiets sein soll.


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