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Beitrag von Rita Wiesinger, Institut für Naturwissenschaften und Technologie in der Kunst

Was wie ein Science-Fiction-Film anmutet, ist nun die schwer fassbare Realität. Ein neues Virus, das sich gefühlt schneller auf der Welt verbreitet, als man den Namen der Krankheit, die es auslöst, „COVID-19 (coronavirus disease 2019)“ schreiben kann, bestimmt unseren Alltag. Es wird nach seinem Aussehen Coronavirus benannt, womit das Schöne der Namensherkunft „Corona“ auf Latein „Krone“, wohl für immer negativ behaftet ist. Nicht einmal zu den Lebewesen gehörend, weil es keinen Stoffwechsel hat, kleiner als klein, durchschnittlich 100 Nanometer (wobei ein Nanometer einem Millionstel Millimeter entspricht) und doch sich schnell replizierend und mit großer Wirkung. Und auch wenn von naturwissenschaftlicher Seite das Virus dargestellt werden kann und man auch seine Vorgehensweise zu kennen scheint, ist es wohl nicht so einfach das Virus aufzuhalten.

Wie auch andere Viren dringt es durch eine spezielle „Tür“ an der Außenseite menschlicher Zellen in die Zellen ein. Das neue Coronavirus benötigt auch einen „Schlüssel“, um in unsere Zellen zu gelangen. In diesem Fall hat das Virus einen speziellen „Dietrich“, den es als Schlüssel zum Eindringen verwendet. Sobald sich das Virus in den Zellen befindet, benutzt es diese Wirtszelle, um Kopien von sich zu erstellen. Davon können Lebewesen nur träumen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt werden so viele Viruspartikel produziert, dass unsere normalen Zellen nicht mehr richtig funktionieren können und platzen. Also wie den menschlichen Zellen beibringen, dass dieser nicht eingeladene Mitbewohner mit nachgemachtem Schlüssel nicht erwünscht ist? Dies wird wohl die Naturwissenschaften, wie schon die Jahrzehnte davor, noch länger beschäftigen. Zum heutigen Zeitpunkt ist wahrscheinlich klar, dass das Coronavirus niemals vollständig ausgerottet werden kann. Es ist quasi in den menschlichen Genpool eingedrungen - wahrscheinlich für immer - und wird sich schließlich wie die saisonale Grippe stabilisieren, in den Wintermonaten ihren Höhepunkt erreichen und im Sommer abnehmen. Der Zug hat den Bahnhof verlassen und das Virus ist „gekommen, um zu bleiben“ – so der Songtext einer deutschen Band.

Die Rückkehr zum „Normalzustand“ wird wahrscheinlich davon abhängen, wie schnell ein Impfstoff in Massenproduktion hergestellt und weltweit zur Anwendung gelangen kann.

Und weil gerade Digitalisierung in aller Munde ist, wie weit hat sie Einfluss auf das Voranschreiten der Pandemie? Wie kann die Verwendung von Big Data zur Verwaltung des Virus verwendet werden. „Technologie ist weder gut noch schlecht. noch ist sie neutral “- M. Kranzberg. Durch die Verfolgung unserer Bewegungen anhand unserer Telefonstandortdaten und anderer Datenquellen kann der Staat leichter sicherstellen, dass die Menschen die Gesundheitsvorschriften einhalten und den Kampf gegen das Virus effizienter führen. Dies ist eindeutig von Vorteil für unsere unmittelbaren Bedürfnisse. Die Frage ist, ob dieser rechtliche Spielraum für unseren digitalen Fußabdruck einmalig ist oder in Zukunft für andere weniger dringende Probleme genutzt werden kann. Wurde die Büchse der Pandora für Massenüberwachung geöffnet? In diesem Stadium hängt die Wirksamkeit und Geschwindigkeit, mit der es den Ländern gelingt das Virus zu bekämpfen, davon ab, wie restriktiv sie sind und welche Einschränkungen persönlicher Freiheiten sie bereit sind im Namen der Quarantäne ihrer Bevölkerung zuzumuten. Mit der Kraft von Big Data in Verbindung mit mächtigen Institutionen und einer kooperativen Exekutivgewalt von Militär und Polizei haben die Regierungen mehr Einfluss als je zuvor, um etwas so Winziges wie ein Virus einzudämmen und auszurotten und ihre Bürger vor Schaden zu schützen.

Es bleibt abzuwarten, ob dies ein Wendepunkt in der Geschichte sein wird. Wird unser liberales Gesellschaftssystem versuchen, wieder zu den Freiheiten der „Vor-Corona-Zeit“ zurückzukehren oder ein gewisses Maß an dauerhafter Überwachung und Regelung als neuen Alltag akzeptieren, um im Falle einer weiteren Ausbreitung der Pandemie rascher handeln zu können?

Das Corona Virus ist jedenfalls der erste reale Stresstest der globalen Ordnung des 21. Jahrhunderts, des Internet- und Smartphone-Zeitalters. Durch die Bewältigung dieser Herausforderung könnten wir aber auch gesellschaftlich, politisch und persönlich gestärkt hervorgehen.

Schon der griechische Philosoph Epikur von Samos (341 - 271 v. Chr.) meinte: „Ein einziger Grundsatz wird dir Mut geben, nämlich der, dass kein Übel ewig währt“.


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