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2.3.2011

 

Foto: Franz Hubmann, 1989

 

Timo Penttilä hatte von 1980 bis 1998 als Roland Rainers Nachfolger die Architektur-Klasse an der Akademie der bildenden Künste in Wien geleitet. Er starb im Alter von 79 Jahren.

Der finnische Architekt Timo Penttilä ist am 25. Februar in Helsinki im Alter von 79 Jahren verstorben, wie die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland heute, Dienstag, in einer Aussendung mitteilte. Penttilä kam 1980 nach Wien, wo er Roland Rainer als Leiter der Meisterklasse für Architektur an der Akademie der bildenden Künste nachfolgte. Die Professur behielt er bis 1998, von 1976 bis 1980 war er außerdem Präsident des Finnischen Architekturmuseums, seit 1978 Mitglied der Finnischen Akademie für technische Wissenschaften.

Penttiläs Architektur zeichne sich durch "Freiheit im Umgang mit Strukturen und Formen" aus, wie es in der Aussendung heißt. Der 1931 im finnischen Tampere geborene Architekt entwarf u.a. das Helsinki Stadttheater, das Ratina Stadion und erarbeitete zahlreiche Entwürfe für den arabischen Raum. (APA)

Nachruf

Als Timo Penttilä 1980 nach Wien kam, um die Nachfolge Roland Rainers als Leiter der Meisterklasse für Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien zu übernehmen, konnte der damals 49‐jährige bereits ein stolzes Oeuvre vorweisen. Er hatte bereits mit 29 Jahren den Auftrag für ein Hauptwerk, das neue Helsinki Stadttheater, gewonnen, gefolgt von einer langen Reihe höchst beachteter Bauten und Entwürfe. Daneben unterrichtete er ab 1959 an der TU Helsinki, und 1968‐69 als Gastprofessor in Berkley, war Präsident der finnischen Architektenkammer und 1976‐80 Präsident des finnischen Architekturmuseums.

In Wien faszinierte Timo Penttilä seine Studenten mit dem damals in der Stadt noch sehr seltenen Geruch von Weite und großer Welt. Als Professor führte er die Meisterschule sicher durch die architektonisch schwierigen 80er Jahre. So wie auch sein Vorgänger Roland Rainer vermied Timo Penttilä stets Anbiederungen an den Zeitgeist der Postmoderne. Im Rahmen der Studentenentwürfe wurde das tiefe Wesen der Architektur erforscht, als etwas organisches, strukturelles, selbstverständliches, aber auch etwas sehr kraftvolles.

Die Arbeit als Student mit Prof. Penttilä war legendär. Er liebte die Freiheit von Konzepten und Gedanken, forderte aber immer Klarheit und Konsequenz ein. Sein Anspruch an die intellektuelle Qualität des Gezeigten war kompromisslos: ebenso wie Entwürfe von Gebäuden sollten auch Konzepte einer umfassenden Hinterfragung standhalten. Denn er wollte nicht "Spielereien" ‐ sondern tragfähige Entwürfe für neue Architektur entwickeln. Timo Penttilä beherrschte bei all dem die nordische Kunst kontrollierter bis schweigsamer Unterhaltung. Nicht die Fülle des Gesprächs oder die Zahl der Worte sondern das Gesagte zählte.

Timo Penttiläs Architektur ist heute aktueller denn je. Die besondere Freiheit im Umgang mit Strukturen und Formen, die Virtuosität in der Behandlung von Baumassen, und das Raffinement bei der Nutzung der Topografie und der Interpretation des Ortes ließen eine Vielzahl herausragender Bauten und Entwürfe von bleibender Gültigkeit entstehen. Der Bogen reicht vom vollkommen in die Landschaft integrierten, halb vergrabenen und dennoch markanten Helsinki Stadttheater, über das dynamisch‐expressive Ratina Stadion bis zur Vorwegnahme der "brand‐architecture" in seinem Entwurf für den Hauptsitz der Firma DOM in Brühl. Auch seine Entwürfe für den arabischen Raum zeugen von dieser besonderen Gabe des Einfühlens in den Ort, die Gegebenheiten und das Aufspüren oft überraschender Möglichkeiten.

Timo las viel, und widmete in den späteren Jahren einen großen Teil seiner Zeit dem Schreiben. Leider legte er keinen großen Wert auf Veröffentlichung, und schrieb auf Finnisch, womit dieser Teil seiner Arbeit uns bis heute kaum zugänglich ist.

Seine größte Liebe galt jedenfalls der Natur. So durfte auch in keinem Buch und keiner Ausstellung das Bild seiner eigenen Blockhütte in Nordlappland, weit oberhalb des Polarkreises fehlen, in die er sich oft für Monate zurückzog. Dort wie auch in seinem "Casello" in der Toskana gelang es ihm seiner Lebensvorstellung am nächsten zu kommen, und sich ganz der Natur, seinen Gedanken und dem Schreiben hinzugeben.

So verbrachte er auch diesen letzten, extrem kalten und schneereichen Winter in Supru. Von einer Erkältung stark geschwächt verließ er seine Hütte Mitte Februar. Er erreichte Helsinki, konnte jedoch von seiner Schwäche nicht mehr genesen. Timo Jussi Penttilä starb am 25. Februar 2011.

Wir werden ihn nie vergessen.

Architekt Mag.arch. Alfred Berger, ehemaliger Student, Meisterschule Assistent, wie auch Zusammenarbeit im Büro, Wien, am 27.02.2011

CV Professor Timo Penttilä

1931 Geboren in Tampere, Finnland am 16. März 1931
1950 - 1956 Architekturstudium an der Technischen Universität, Helsinki
1957 - 1959 Mitarbeit im Architekturbüro von Aarne Ervi
1959 - 1996 eigenes Architekturbüro mit Heikki Saarela und Kari Lind
1959 - 1960 Assistent an der Technischen Universität, Helsinki
1968 Vizepräsident der Vereinigung Finnischer Architekten, SAFA
1968 - 1969 Gastprofessor an der University of California, Berkeley
1969  Auszeichnung auf der Sao Paulo Biennale
1970 - 1980 Vorstandsmitglied, Finnisches Architekturmuseum
1976 - 1980 Präsident des Finnischen Architekturmuseums
1976 Staatspreis der Republik Finnland        
1978 Mitglied der Finnischen Akademie für technische Wissenschaften
1980 - 1998 Professor an der Akademie der bildenden Künste, Wien
2011 Gestorben in Helsinki am 25. Februar 2011


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