Akademie der bildenden Künste Wien
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Eröffnung | 22.03.2012, 19.00 h
Ausstellungsdauer | 23.03.2012 - 04.11.2012
Ort | secession, Friedrichstraße 12, A-1010 Wien

Ein Projekt der Secession, des Bundesdenkmalamtes und der Akademie der bildenden Künste Wien, Institut für Konservierung - Restaurierung.

 

Gerwald Rockenschaub, Plattform, Secession 2012 © Foto: Margherita Spiluttini

 

Nahaufnahmen des Beethovenfrieses aus restauratorischer und künstlerischer Sicht

Mit den zwei Ausstellungsprojekten Close-up - Gustav Klimt ~ Gerwald Rockenschaub - Plattform reflektieren der Künstler Gerwald Rockenschaub, das Bundesdenkmalamt und die Restaurator_innen der Akademie der bildenden Künste Wien ein Schlüsselwerk des künstlerischen Aufbruchs in das 20. Jahrhundert. Anlässlich des 150. Geburtstags von Gustav Klimt bietet die Secession Besucher_innen einen detailreichen Blick auf den Beethovenfries und beleuchtet diese kulturhistorische Ikone sowohl aus wissenschaftlicher wie auch aus künstlerischer Perspektive.

Als Fundament für die Nahaufnahme dienen aktuelle Untersuchungen zu Kunsttechnologie und -zustand. Die Replik eines Ausschnitts des  Beethovenfrieses (Die Poesie), die am Institut für Konservierung - Restaurierung hergestellt wurde, ist eingebettet in die Dokumentation der Restaurierung der originalen Wandmalerei, die in den 1970er- und 1980er-Jahren vom Bundesdenkmalamt durchgeführt wurde. Ergänzt wird die Präsentation durch die hochauflösende Digitalisierung des Originals, die es erlaubt, die Oberfläche und Materialität des Werks bis ins Detail zu erkunden. Durch eine begehbare Installation können Besucher_innen Gustav Klimts Meisterwerk erstmals auf Augenhöhe begegnen. Mit seiner Installation Plattform verschiebt Gerwald Rockenschaub die Perspektive der Betrachter_innen im wörtlichen wie im übertragenen Sinn und lässt sie das Original aus nächster Nähe erleben.

Close-up - Gustav Klimt

Anlass und Thema der "Nahaufnahme" des Beethovenfrieses sind seine jüngste restauratorische und naturwissenschaftliche Untersuchung. Über 25 Jahre nach der letzten Restaurierung durch das Bundesdenkmalamt wird der aktuelle Zustand genauestens dokumentiert und die Grundlage für alle künftigen Restaurierungsmaßnahmen geschaffen. "Eines unserer zentralen Anliegen ist die umfassende Befundung sowie die fachgerechte Konzepterstellung im Vorfeld von Restaurierungen," unterstreicht Landeskonservator Univ.-Doz. Dr. Friedrich Dahm die Wichtigkeit des gemeinschaftlichen Projekts vom Bundesdenkmalamt, der Akademie der bildenden Künste Wien und der Secession: "Beim Beethovenfries stellen wir die höchsten Ansprüche. Hier spielen wir in der Spitzenliga."

Die Präsentation im Entrée des Ausstellungsraums kreist um eine an der Akademie der bildenden Künste Wien hergestellte Kopie eines Ausschnittes des Beethovenfrieses (Die Poesie). Sie dient der genauen Analyse des entstehungszeitlichen Herstellungsprozesses des Bildträgers und der Malerei von Gustav Klimt. "Unser Wirkungsfeld besteht in der Erfüllung der komplexen Aufgabe, Kunstwerke und Kulturgut für kommende Generationen in einem möglichst am Original orientierten bzw. authentischen Zustand zu erhalten und somit dem Verfall durch Alterungsprozesse oder durch unbeabsichtigte Schäden entgegenzuwirken," so

o.Univ.-Prof. Mag. Dipl.-Ing. Wolfgang Baatz, Leiter des Instituts für Konservierung und Restaurierung an der Akadmie der bildenden Künste: "Diese Zielsetzung ermöglicht das Fortwirken der künstlerischen Manifestation in der Zukunft und die Erhaltung des kulturellen Erbes für die Nachwelt."

Mit zwei unterschiedlichen Begleitfilmen wird Besucher_innen zum einen die schrittweise Konstruktion der Replik, zum anderen der Prozess der wissenschaftlichen Begutachtung und Befundung des Meisterwerks vermittelt. Auszüge aus der hoch auflösenden Digitalisierung des Originals, die der langfristigen Dokumentation des Zustands des Werks dienen, ergänzen das Filmmaterial zusätzlich. Ein Streiflicht auf die komplexen Herausforderungen der letzten Restaurierung der originalen Wandmalerei in den 1970er- und 1980er-Jahren im Bundesdenkmalamt rundet schließlich den restauratorischen Blick auf den Beethovenfries ab.

Gerwald Rockenschaub, Plattform (2012)

Die von Gerwald Rockenschaub für den Raum des Beethovenfrieses in der Secession entwickelte Installation ermöglicht BesucherInnen ungewohnte Perspektiven und neue Standpunkte in der Wahrnehmung dieses Werks. Seine skulpturale Intervention erlaubt es erstmals den raumumspannenden und in einer Höhe von 3 bis 5 Metern installierten Fries auf Augenhöhe zu betrachten. Beide Arbeiten, sowohl Klimts Beethovenfries als auch Rockenschaubs Plattform, treten dabei in einen gleichberechtigten Dialog. Die Plattform ist zweckmäßig und funktional, behauptet sich aber zugleich in ihrer Objekthaftigkeit als eigenständiges Werk. "Die Plattform soll sich bis zu einem gewissen Punkt auch in diesem Rahmen als Kunstwerk abbilden, nicht nur reine Gebrauchsarchitektur sein", so Gerwald Rockenschaub.

Rockenschaubs Gestaltung weist zahlreiche charakteristische Merkmale seiner künstlerischen Sprache auf: die Verwendung handelsüblicher Baumaterialien, der zeichenhafte Minimalismus und die Monochromie der Flächen. "Farbe", so der Künstler, "ist quasi die minimalste Maßnahme, die man ergreifen kann, um den Objektcharakter zu erhöhen. Ich greife relativ unbelastet oder kindlich-kindisch in den großen Farbtopf." Mit der Plattform in der Secession führt Rockenschaub zudem eine seit den späten 1980er-Jahren entwickelte Werkgruppe von Installationen fort, in denen er mittels Podesten, Sitzbänken, Vorhängen oder Trennwänden die BesucherInnen im Ausstellungsraum lenkt, Wahrnehmungsformen verändert und den architektonisch-sozialen Raum neu codiert. "Es ist immer eine respektvolle Herangehensweise, nie ein ironischer Kommentar", betont der Künstler.

Kurzbiografie

Gerwald Rockenschaub, geboren 1952 in Linz, lebt und arbeitet in Berlin.

Ausgewählte Einzelausstellungen:2012 Embrace Romance/Remodeled, Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg; 2011 If I ever had the chance again, I'd probably do the same, Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg; 2010 Gone is back again, House of Art Ceske Budejovice, Budweis; 2009 Promise vs.Reality, Villa Stuck, München


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