Akademie der bildenden Künste Wien

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26.7.2012

 

Franz West, 2007
Foto: apa/Barbara Gindl

 

Der renommierte österreichische Künstler Franz West ist in der Nacht auf Donnerstag im Wiener AKH verstorben. Im Vorjahr wurde er bei der Biennale Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Dort hatte er Österreich bereits im Jahr 1990 unter Kommissär Hans Hollein vertreten. Am 16. Februar hatte West seinen 65. Geburtstag gefeiert.

Geboren wurde Franz West in der Bundeshauptstadt am 16. Februar 1947. Nach einigen Schulbesuchen respektive -abbrüchen folgten Reisen, Gefängnisaufenthalte und nicht zuletzt prägende Freundschaften wie jene mit dem Schriftsteller Reinhard Priessnitz. Nach dieser Zeit der autodidaktischen Studien studierte West von 1977 bis 1982 bei Bruno Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Seiner ersten Ausstellung 1970 in der Wiener Galerie Hamburger folgten unzählige wichtige Einzelausstellungen und Beteiligungen an Gruppenausstellungen auf der ganzen Welt. Zu den bedeutendsten Personalen zählten etwa jene im New Yorker Museum of Modern Art im Jahr 1997, in den Hamburger Deichtorhallen (2002), im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) im Jahr 2008 oder jene in der Riehener Fondation Beyeler vor drei Jahren.

1974 entstanden die ersten "Paßstücke" (für den menschlichen Körper), tragbare Gebilde aus Papiermache und Gips, die beliebig benutzt werden konnten. Seine Auslotung der physischen, psychischen, kultischen und nicht zuletzt auch profanen Gebrauchsdimensionen der Skulptur an sich trieb West mit seinen "Möbeln" weiter voran. Stühle und Liegen, die aus Eisen und Industrieschrott zusammengeschweißt wurden, luden an ausgewählten Orten zur Benützung und Betrachtung ein; etwa im Kunsthistorischen Museum, in Venedig und nicht zuletzt bei der documenta 9.

In Debatten, ob seine Objekte nun Kunst oder Gebrauchskunst oder Nicht-Kunst sind, ob das Werk womöglich erst durch Benutzung und Besetzung des Besuchers zur Kunst wird, ob es am Sockel stehend der ehrfürchtig-kultischen Kontemplation oder im stillen Kämmerchen der ungestörten Benutzung dienen sollte - in solche Diskussionen mischt sich Franz West nicht ein. Beim Wiener "ImPulsTanz"-Festival im Vorjahr ließ er allerdings den Performer Ivo Dimchev seine Objekte tänzerisch benutzen - und spielte Videos von dessen Handlungen auch bei Ausstellungen ein, um die Menschen damit ebenfalls zur Interaktion mit den Kunstwerken anzuregen.

Schließlich hatte West durchaus auch eine didaktische Ader. Von 1992 bis 1994 übernahm er eine Professur an der Frankfurter Städelschule. 1993 erhielt er den mit 300.000 Schilling (21.800 Euro) dotierten Skulpturenpreis der EA-Generali Foundation. 1998 erhielt er den mit rund 100.000 Euro dotierten Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig in Köln. Im Herbst 2010 war West sowohl eine Personale beim steirischen herbst, im Kölner Ludwig Museum als auch eine Einzelausstellung von Großskulpturen in Rom gewidmet. (APA/red, derStandard.at, 26.7.2012)


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