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Mehr als 40 Unterzeichnende, darunter die Rektoren Gerald Bast (Angewandte) und Johan Hartle mit einer Reihe von Professorinnen und Professoren der Akademie, die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz und die Dichterin Friederike Mayröcker unterstützen diesen Aufruf der Internationalen Liga gegen Rassismus und Antisemitismus.

 

Schandwache, Foto © Barbora Bereznakova

 

Die Debatte um das umstrittene, derzeit mit einem Bauzaun umfasste Monument für den früheren Bürgermeister Karl Lueger (1844–1910), der sich des populistischen Antisemitismus bediente, hält freilich schon länger an. 2016 wurde eine Zusatztafel angebracht, nun wird eine weitergehende Veränderung gefordert.

Die "Schande"-Graffiti am Wiener Lueger-Denkmal sind seit heute um eine Intervention reicher. Am Montag startete eine Gruppe von Künstler_innen rund um Eduard Freudmann eine "Schandwache", die die Stadt daran hindern soll, die im Sommer angebrachten Graffiti zu entfernen. An zwei Stellen hat man diese abgenommen, in Beton gegossen und golden bemalt wieder angebracht. Der von den Behörden errichtete Bauzaun wurde teilweise entfernt und ein Banner der "Schandwache" angebracht.

1 Schandwache, Foto © Barbora Bereznakova 

Täglich von 9 bis 18 Uhr sollen unterschiedliche Organisationen wie die Jüdische HochschülerInnenschaft, die Sozialistische Jugend, die Muslimische Jugend Österreich, der KZ-Verband und Sodom Vienna vor dem Denkmal Wache halten. Die Künstler_innengruppe, der auch Mischa Guttmann, Gin Müller, Simon Nagy und Anna Witt angehören, fordert von Bürgermeister Ludwig (SPÖ) und Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) "ein klares Bekenntnis zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals und zur Umbenennung des Lueger-Platzes", wie sie 5. Oktober bei einem Pressetermin erklärten. Die Graffiti müssten bleiben, bis eine grundlegende Umgestaltung des Denkmals realisiert worden ist. "Ihre Entfernung wäre ein weiterer Akt des Antisemitismus", so die Gruppe, die während des Auftakts der Mahnwache sogleich von einem erbosten Bürger lautstark kritisiert wurde. "Wir sollten Denkmäler als Orte der Auseinandersetzung mit Geschichte etablieren", so Guttmann. "Dass Luegers Antisemitismus in seinem Denkmal unter den Teppich gekehrt wird, ist ein Skandal - und gleichzeitig so typisch österreichisch." (Salzburger Nachrichten)

Im Jahr 1926 wurde das jetzige Denkmal errichtet, 2016 wurde es durch eine kleine Tafel mit dem Hinweis, dass Lueger den Antisemitismus bediente, ergänzt.

Für die Initiatoren der Protestaktion ist diese Zusatztafel nicht genug. Sie sei als "Beipackzettel" zu verstehen, so eine_r der Künstler_innen. Rückendeckung bekam die Aktion auch von Akademie-Rektor Johan Hartle. Er stelle sich "ausdrücklich" hinter die Initiative, die Studierende mit angestoßen hätten. Es gehe darum, den öffentlichen Raum zu demokratisieren, das "nur klein kommentierte Denkmal" werde als "glorreicher Traditionsbestand" gewürdigt. Er und 40 weitere Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Wissenschaft veröffentlichten am Samstag einen Aufruf, in dem sie eine Veränderung an Platz und Ehrenmal fordern.

Unterzeichnende:

Anette Baldauf, Professorin an der Akademie der bildenden Künste, Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst, Andrea Breth, Regisseurin, Sabeth Buchmann, Professorin an der Akademie der bildenden Künste, Herwig Czech, Historiker, Carola Dertnig, Professorin an der Akademie der bildenden Künste, Diedrich Diederichsen, Professor an der Akademie der bildenden Künste, Paul Gulda, Musiker, Daniela Hammer-Tugendhat, Honorar-Professorin an der Universität für angewandte Kunst, Elfriede Hammerl, Kolumnistin, Felicitas Heimann-Jelinek, Kuratorin, Gabu Heindl, Architektin, Unit Master AA London, Visiting Professor Sheffield University, Johan Hartle, Rektor der Akademie der bildenden Künste, Friedrun Huemer, Psychotherapeutin, Peter Huemer, Journalist und Historiker, Caroline Kerschbaumer, Geschäftsführerin Zara, Konstantin Kaiser, Geschäftsführer der Theodor Kramer Gesellschaft, Jakob Lena Knebl, Künstler*in, Martin Kušej, Künstlerischer Direktor des Burgtheaters, Ferdinand Lacina, Bundesminister a. D., Dorit Margreiter, Professorin an der Akademie der bildenden Künste, Friederike Mayröcker, Dichterin, Ariel Muzicant, Vizepräsident European Jewish Congress, Cornelius Obonya, Präsident der Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich, Elisabeth Orth, Schauspielerin, Peter Pirker, Zeithistoriker, Martin Pollack, Schriftsteller, Florian Pumhösl, Künstler, Stella Rollig, Generaldirektorin Belvedere, Elie Rosen, Präsident Jüdische Gemeinde Graz, Dirk Rupnow, Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät an der Universität Innsbruck, Anja Salomonowitz, Filmemacherin, Ashley Hans Scheirl, Professor*in an der Akademie der bildenden Künste, Robert Schindel, Schriftsteller, Franz Schuh, Schriftsteller, Ruth Sonderegger, Professorin an der Akademie der bildenden Künste, Eva Maria Stadler, Professorin an der Universität für angewandte Kunst, Marlene Streeruwitz, Schriftstellerin, Angela Stief, Chefkuratorin Albertina modern, Christoph Thun-Hohenstein, Generaldirektor Mak, Georg Stefan Troller, Filmemacher, VALIE EXPORT, Künstlerin, Hans-Peter Wipplinger, Museologischer Direktor des Leopold Museums, Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović, What, How & for Whom/WHW, Heimo Zobernig, Professor an der Akademie der bildenden Künste


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