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Dietmar Steiner, Architekturkritiker und langjähriger Direktor des Architekturzentrum Wien ( Az W), ist am Freitag, den 15. Mai 2020 nach langer, schwerer Krankheit im 68. Lebensjahr in Wien verstorben.

 

Dietmar Steiner, Foto © Heribert Corn

 

Österreich verliert mit Dietmar Steiner einen seiner profilitertesten Architekturkritiker, Architekturkurator und Mentor für die Architektur.

Mit der Gründung des Az W im Jahr 1993 betritt Dietmar Steiner die mediale Bühne der öffentlichen Architekturvermittlungen, des Architekturdiskurses und der  Architektursammlungen. Als Gründungsdirektor und in der Folge als Direktor führte Steiner das Az W von 1993 – 2016 von einem kleinen, regionalen Architekturzentrum zu einem der wichtigsten Architekturplattformen Mitteleuropas, wo Architektur und Urbanismus und dessen gesellschaftlichen Relevanz diskutiert und ausgestellt wurde.

Geboren 1951 in Wels, erhielt Dietmar Steiner seine architektonische Ausbildung durch sein Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien. Er begann bei Ernst Plischke zu studieren, der 1963 aus seiner Emigration in Neuseeland nach Wien zurückgekommen war, um seine Professur an der Akademie anzutreten. Plischke war ein Zeitzeuge der klassischen modernen Architektur. Dietmar diplomierte 1979 mit dem Thema Schule der Arbeit in Wels bei Gustav Peichl, der die Meisterschule nach Plischkes Emeritierung 1973 übernommen hatte.

Die Diplomarbeit von Dietmar Steiner wurde in der Aula der Akademie gezeigt und war für die Studenten und Studentinnen eine aufregende Präsentation. Steiners Architektur war stärker von Aldo Rossi beeinflusst als von Ernst Plischke oder Gustav Peichl. Hier zeigte sich Steiners Unabhängigkeit und die anschließende Diskussion wurde sehr intensiv geführt.

Nach seinem Diplom hatte Steiner einen Lehrauftrag an der Hochschule (heute Universität) für angewandte Kunst Wien und war Mitarbeiter bei Friedrich Achleitner am Archiv „Österreichische Architektur des 20. Jahrhunderts“. Ab 1989 führte Steiner ein Büro für Architekturberatung – bis er 1993 Gründungsdirektor des Architekturzentrum Wien unter der damaligen Wiener Kulturstadträtin Ursula Pasterk wurde.

Als Direktor des AZ W etablierte Steiner eine neue Form und eine neue Qualität des Architekturdiskurses. Für viele Studierende wurde das Az W zur „vierten Architekturschule“ in Wien neben der Akademie der bildenden Künste, der TU-Wien und der Universität für angewandte Kunst. „Damals“ – in den 1990-er Jahren – also vor 30 Jahren brachte das Az W die ersten großen internationalen Ausstellungsprojekte nach Wien.

Steiner war ein unermüdlicher „Arbeiter“ – insofern gab der Titel seiner Diplomarbeit auch einen Blick in seine eigene Psyche. Neben Gastprofessuren in Harvard, am MIT, in Barcelona und in Linz war Steiner seit 1996 Redakteur der Zeitschrift „domus“ und bis 2014 Präsident der ICAM – International Confederation of Architecture Museums. Bis 2016 war Steiner auch Mitglied des Beirates zu renommierten Mies van der Rohe Awards.

In Wien wurde über Dietmar Steiner nur als „der Steiner“ gesprochen, im Ausland war er für alle „Dietmar“. Ich erinnere mich an unseren gemeinsamen Ausflug mit der ICAM im Jahr 1996 von New York City nach New Canaan, zu den privaten Bauwerken von Philipp Johnson, wo neben Kristin Feireiss aus Berlin (AEDES und damals Direktorin des NL-Architekturmuseums) alle namhaften Architekturvermittler von Europa teilnahmen.

Steiners internationale Connectivity führte auch zu zwei wunderbaren Architekturrealisierungen in Österreich. Neben dem Loisium von Architekt Steven Holl in Langenlois sind hier besonders die „Busstationen“ von Krumbach zu nennen, wo international bekannte Architekten im ländlichen Vorarlberger Land diese Haltestationen gestalteten und so „Architekturikonen“ in die Landschaft streuten.

Diese aktive Vermittlung von Architekturanspruch und Politik war Dietmar Steiners wichtigstes Anliegen. Steiners Vorschlag für ein intelligentes und innovatives Projekt wurde leider nicht umgesetzt: die Gründung eines österreichischen Architekturmuseums. Dieser Vorschlag scheiterte an der zögerlichen Haltung der Politik und der fehlenden Unterstützung von Seiten der etablierten Museen.

Sein eigens Archiv hatte Dietmar Steiner nach seiner Pensionierung auf seinem „Hof“ in Niederösterreich mit dem Ziel organisiert diesen in den nächsten Jahren aufzuarbeiten. Aus seinem Archiv wurde jetzt sein Nachlass.

Unsere Anteilnahme gilt seiner Frau Architektin Margarete Cufer, seinen Angehörigen und seinen national und internationalen Freunden.

Dietmar, wir werden Dich sehr vermissen.

August Sarnitz
Akademie der bildenden Künste Wien


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