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7.9.2020

Die Rektor_innen der Kunstuniversitäten erwarten von der Bundesregierung für ihren Bereich Investitionen in gleichem Umfang wie für die Errichtung einer neuen TU.

Österreich verfügt über eine weltweit herausragende Kulturlandschaft. Sowohl Kunstuniversitäten als auch die Kulturinstitutionen Österreichs sind aufgrund ihrer einzigartigen Qualität und schöpferischen Leistung Weltspitze. Diese Topposition gilt es zu halten und gerade im Zeitalter der digitalen Transformation couragiert auszubauen.

Wir erleben Zeiten, die zunehmend von existenziellen globalen Fragen geprägt sind, verbunden mit Ungewissheit, Mehrdeutigkeit weit über traditionelle Forschungsfelder hinweg und steigender digitaler Vereinzelung. Der dramatische Transformationsprozess, in dem sich unsere Gesellschaft  befindet, wird befeuert von einer noch nie dagewesenen technologischen Revolution (Digitalisierung, Automatisierung, künstliche Intelligenz, Gentechnologie), und von den immer deutlicher sichtbaren Auswirkungen der Klimakrise.

Mit technologischen Ansätzen allein kann dieser Transformationsprozess, in deren Mittelpunkt die Transformation der Lebensbedingungen für Menschen steht, nicht bewältigt werden. Dafür brauchen wir übergreifende Schlüsselkompetenzen, die das menschliche Zusammenleben gesamthaft in den Blick nehmen:

  • Dazu gehören in besonderer Weise die Kompetenz, mit ungewissen Situationen und Entwicklungen umzugehen und eine Zukunft (des ökologischen Gefüges, der Arbeitswelt etc.) zu antizipieren, die in steigendem Maße unbestimmt ist.
  • Dazu gehört die Kompetenz, mit differenzierten und widersprüchlichen sozialen Erfahrungshorizonten umzugehen, die eine komplexe Gesellschaft im Zeichen von Globalisierungsdynamiken zunehmend prägen.
  • Und dazu gehört auch die Kompetenz, soziale Situationen, Medien der Kommunikation und gemeinschaftliche Erfahrungen zu gestalten, die der Vereinzelung entgegenwirkt.

Bildung – insbesondere auch universitäre Bildung – hat die Aufgabe, diese Kompetenzen zu vermitteln und junge Menschen dabei zu unterstützen, entsprechende Haltungen zu entwickeln. Es geht darum, umfassende Perspektiven zu bieten, um den Blick auf die Menschen und die Gesellschaft in der sie leben, arbeiten und soziale Wirkung entfalten, zu schärfen. Kreativität, soziale Kompetenz, Inklusion, Diversität etc. sind zentrale Inhalte künstlerischer Bildung und von eminenter positiver Bedeutung für die Gesellschaft. Die Fähigkeit, Ungewissheit und Mehrdeutigkeit nicht als Gefahr, sondern als Bedingung und Methode für die Gestaltung sozialer Umfelder zu sehen, sind zentrale Elemente, mit denen Künstlerinnen und Künstler arbeiten, ebenso wie die Fähigkeit zur Entwicklung innovativer Formen menschlicher Kommunikation. Kunst fördert in singulärer Weise den Zusammenhalt einer Gesellschaft, gerade auch in herausfordernden Zeiten von Pandemien oder technologischen Revolutionen.

Kunst verbindet, bildet, therapiert, ermutigt und unterhält. Sie ist essentieller Impulsgeber für Weiterentwicklung, sie gibt einer Nation ein Gesicht im globalen Wettbewerb. Kunst ist für Österreich nicht nur systemrelevant, sondern gesellschaftlich und wirtschaftlich lebensnotwendig. Das Potential dieser Kompetenzen gilt es verstärkt für alle gesellschaftlichen Arbeitsfelder nutzbar zu machen, weil sich alle Menschen mit den neuen Herausforderungen in Gesellschaft und Wirtschaft konfrontiert sehen. 

Die Kunstuniversitäten sind Österreichs weltweit anerkannte Aushängeschilder für akademische Exzellenz, die künstlerische Kompetenz auf höchstem Niveau vermitteln. Um diesen Status halten zu können und gleichzeitig neue und zeitgemäße Beiträge zur Sicherung und Entwicklung unserer demokratischen Gesellschaft zu leisten bedarf es einer offensiven finanziellen Stärkung der Innovationskraft der Kunstuniversitäten. Diese muss deutlich über die bloße wirtschaftliche Absicherung ihres bestehenden Betriebes hinaus gehen.

Die Kunstuniversitäten erwarten von der Bundesregierung eine ausgewogene Gesamtsicht auf ein zukunftsorientiertes Universitätssystem in Österreich: Investitionen zur Bewältigung der Herausforderungen des digitalen Zeitalters erfordern auch die Stärkung der Kunstuniversitäten. Eine singuläre Fokussierung auf Technologie wäre fatal für die Entwicklung unserer Gesellschaft.

Rektor Gerald BAST, Universität für angewandte Kunst Wien
Rektorin Elisabeth GUTJAHR, Universität Mozarteum Salzburg
Rektor Johan F. HARTLE, Akademie der bildenden Künste Wien
Rektorin Brigitte HÜTTER, Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz
Rektor Georg SCHULZ, Universität für Musik und darstellende Kunst Graz
Rektorin Ulrike SYCH, mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien


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