Die Akademie trauert um IJsbrand Hummelen (1950–2026)
Die Akademie der bildenden Künste Wien teilt mit großem Bedauern mit, dass IJsbrand Hummelen am 14.9.2026 nach kurzer Krankheit verstorben ist. Hummelen war von Oktober 2022 bis September 2023 Gastprofessor am Institut für Konservierung-Restaurierung an der Akademie der bildenden Künste Wien.
Als Gastprofessor hat IJsbrand Hummelen seine Erfahrungen aus den Entwicklungen des Fachgebiets der Restaurierung mit den Kolleg_innen und Studierenden geteilt und diskutiert sowie die Anwendung neuer Konzepte und Methoden in der Praxis an den Objekten erkundet.
Der Fokus auf das erfahrungsbasierte, verkörperte und oft stillschweigende Wissen das zu erhaltenden Artefakten innewohnt – sowie die sensorischen Affekte und das Verständnis des "Matter of Care" in den Material Agencies, die die Materialität der Konservierungsobjekte konstituieren, war ihm ein wichtiges Anliegen. Diese wissenschaftlichen Perspektiven, die in jüngerer Zeit um soziale Blickweisen erweitert wurden, auf die performativen Aspekte des Berufs haben einen neuen Horizont von Strategien eröffnet und den Diskurs eng mit den darstellenden Künsten verbunden.
IJsbrand Hummelen wurde am Central Research Laboratory for Objects of Art and Science, Amsterdam, am Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft in Zürich und am Istituto Centrale per il Restauro in Rom zum Restaurator ausgebildet und arbeitete für das Stedelijk Museum Amsterdam, in Guatemala und als Supervisor und Dozent an der Jan van Eyck Academie in Maastricht. Er war Gründungsdirektor des kollektiven Restaurierungsstudios Restauratoren Kollektief in Amsterdam und war von 1992 bis 2021 Koordinator für Restaurierungsforschung und leitender Research Conservator at the State Heritage Laboratory of the Netherlands Cultural Heritage Agency. Er unterrichtete an mehreren Kunstakademien und Universitäten in den Niederlanden und in Europa.
IJsbrand Hummelen war einer der Gründungspartner des bahnbrechenden europäischen Projekts Modern Art: Who Cares?, des INCCA-Projekts (International Network for the Conservation of Contemporary Art) und Teil des Koordinationsteams des europäischen Programms Preservation and Presentation of Installation Art. Er nahm als Berater und Forscher an mehreren Fallstudien und Forschungsprogrammen zur Konservierung und Restaurierung teil, wie zum Beispiel New Strategies for Conservation of Contemporary Art (The Dutch Research Council/ University Maastricht/ University of Amsterdam and Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (RCE; Cultural Heritage Agency of the Netherlands, 2009-2014) und der Panza Collection Initiative (Solomon R. Guggenheim Museum/ Andrew Mellon Foundation 2010-2020).
Sein Wirken war von Offenheit, Neugier und Respekt gegenüber den Kunstwerken, ihren materiellen Bedingungen und den Menschen geprägt, die mit ihnen arbeiten. IJsbrand Hummelen verstand Konservierung und Restaurierung nicht allein als technische oder wissenschaftliche Disziplin, sondern als eine verantwortungsvolle, aufmerksame und stets relationale Praxis. Mit seiner Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen, hat er die Entwicklung des Fachgebiets entschieden mitgestaltet.
Wir werden IJsbrand Hummelen als engagierten Lehrenden und inspirierenden Gesprächspartner in Erinnerung behalten. Seine Fragen, seine Erfahrungen und seine Aufmerksamkeit für die komplexen Beziehungen zwischen Material, Wissen, Handlung und Sorge werden weiterwirken.
Unser Beileid und unsere Anteilnahme in dieser traurigen Zeit gilt allen Hinterbliebenen, insbesondere der Familie und den Kolleg_innen.
Johan Hartle – Ingeborg Erhart – Werner Skvara (Rektorat)
Carolin Bohlmann (Institut für Konservierung-Restaurierung)