Die Akademie trauert um Denys Zacharopoulos (1952–2026)
Mit tiefer Trauer haben wir erfahren, dass Denys Zacharopoulos am 3. Oktober 2026 viel zu früh im Alter von nur 74 Jahren verstorben ist. Prof. Denys Zacharopoulos hatte von 1991 bis 1996 das Institut für Gegenwartskunst an der Akademie der bildenden Künste Wien geleitet.
Aus diesem Institut ist dann später das heutige Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften hervorgegangen, nicht zuletzt ob seines Engagements, neben der künstlerischen Lehre einen Ort der Auseinandersetzung und Diskussion am Haus zu etablieren, in dem das Reden über die künstlerische Praxis genauso im Vordergrund stand wie der Versuch, die entsprechenden theoretischen Diskurse dazu miteinzubeziehen – und dies war damals in Wien ein Alleinstellungsmerkmal. Dementsprechend wandte sich sein Programm gleichermaßen an die Studierenden und Lehrenden wie auch an die kunstinteressierte Öffentlichkeit außer Haus.
Neben seiner Lehre und die seiner Institutsmitarbeiter_innen (Silvia Eiblmayr, Hedwig Saxenhuber, Andreas Spiegl, Ingeburg Wurzer und Doris Guth) stand das Institut für einen Ort von Gastvorträgen und Symposien, bei denen Künstler_innen genauso die Möglichkeit gegeben wurde, ihre Praxis oder künstlerischen Fragen vorzustellen, wie Kurator_innen und Theoretiker_innen aus den verschiedensten Disziplinen. Oft verdankte sich diese Möglichkeit der Kooperation mit den Galerien (um nur einige zu nennen: Peter Pakesch, Christine König, Georg Kargl und Christian Mayer, damals noch vereint in der Galerie Metropol, Hubert Winter, etc.) und anderen Kunstinstitutionen in der Stadt. Unser Hörsaal im Keller der Akademie, der heute als Holzwerkstatt dient, war jedes Mal voll – trotz der Tatsache, verzeihen Sie mir den Hinweis, dass es damals noch kein Rauchverbot gab. Aber ein Bild von Denys damals ohne Zigarette zu finden, wäre wirklich schwer. Es ging um Kunst, um die Frage des Verhältnisses von Kunst und Lehre – immer offen und strittig, ob und wie Kunst gelehrt werden kann, wie Kunst in die Vorstellungen von Leben einfließt, ja wie ein Leben ohne Kunst überhaupt möglich wäre.
Dazu muss erwähnt werden, dass Denys nicht nur die Bildende Kunst am Schirm hatte, sondern – wenn man das so sagen kann – als Kunstuniversalist auch die Architektur genauso reflektierte wie die Musik, mit der ihn eine Leidenschaft verband: Wie oft sich Denys bei allen Möglichkeiten ans Klavier setzte – in den Bars oder Gaststätten bei den Treffen nach den Vorträgen oder wo immer sich ein Klavier befand – kann ich nicht mehr aufzählen. Seine Form, sich mit Kunst und Künstler_innen und allen, die sich dafür begeisterten, auseinanderzusetzen, war immer mit der Frage nach der entsprechenden Form zu leben verbunden: nicht nach dem Motto Kunst ins Leben überzuführen, sondern Kunst und Leben ohne Bedingung zusammenzudenken. Wer ihn kennenlernen durfte, wird wohl zustimmen, seine Leidenschaft als Hingabe an die Kunst als Modus Vivendi zu beschreiben. Dass er damals auch noch zum Ko-Kurator der documenta IX ernannt wurde, hat das Institut dank seines Engagements buchstäblich auf eine internationale Bühne gestellt. Aber für ihn waren beide Spektren gleich wichtig: Künstler_innen und Studierenden an der Akademie und vor Ort, wie auch die mal mehr mal weniger bekannten internationalen Gäste. Als Kurator hat Denys Zacharopoulos Ausstellungen am Haus kuratiert, die schon damals die Gemäldegalerie und deren Sammlung genauso einbezogen wie Künstler_innen und Studierende. Was zählte, war die Arbeit und Praxis und nicht der Bekanntheitsgrad. Dennoch ist es Denys gelungen, auch Künstler_innen wie Ilya Kabakov an der Akademie auszustellen, oder mitzuwirken, Franz West, Heimo Zobernig oder Herbert Brandl eine internationale Bekanntheit zu ermöglichen.
Diese Kooperationen und das Vertrauen in das Gemeinsame hat Denys Zacharopoulos auch nach seiner Zeit am Institut mitgenommen und dann an anderen Orten weiterentwickelt – ich würde gerne sagen: bis heute, aber leider hat sein Tod dies nun unterbrochen. Ungebrochen wird allerdings unsere Erinnerung an Prof. Zacharopouolos bleiben – und der Dank für alles, was er für uns geleistet hat, der herzliche Dank an Dich, Denys.
Andreas Spiegl (im Namen des damaligen Instituts)