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Fashions and Styles on the Move

Eine andauernde Kooperation zu Dekolonisierung, heilenden textilen Praktiken und sozialer Gerechtigkeit in Mode und Design mit der University of Namibia und der University of Johannesburg.

Teil 4: Wien 2026

Im Sommersemester 2026 wurde die Zusammenarbeit im Bereich Lehre der Kooperationspartner_innen zunächst digital fortgeführt. Maria Caley (University of Namibia) hielt im Rahmen der Lehrveranstaltung “Connecting Threads - Vermittlungsformate für gestalterisch-handwerkliche Praktiken” (Akademie der bildenden Künste, Anna Hambira) einen Vortrag über das Community- Projekt Penduka Embroidery Village, ansässig im Windhoeker Stadtteil Katutura, Namibia. Danach stand der Abschluss der ersten Förderphase im Fokus: die Mobilität und Zusammenarbeit der Studierenden der Universitäten, die in Form eines Blended Intensiv Programme, Erasmus+, an der Akademie der bildenden Künste im Mai 2026 in Wien stattfand.

Im digitalen Kick Off Event im März 2026 trafen erstmals Studierende der drei Universitäten aufeinander und begannen ihre Zusammenarbeit unter der Fragestellung "Which object would you pass on to a loved one?”. Die Vorträge “Memory and Touch, an Exploration of Textural Communication” von Loini Iizyenda, University of Namibia und “Ontology of Objects” von Tinyiko Baloyi, University of Johannesburg gaben den Studierenden erste Inputs für ihre späteren Aufgabenstellung im Framework des Co-Design. In Teams mit je einer studierenden Person pro Universität bereiteten sich die Teilnehmenden auf die Projektwoche im Mai vor. Auch die Vernetzung und Zusammenarbeit mit lokalen Akteur:innen in Wien und das Sichtbarmachen des Projekts in der Öffentlichkeit war Teil der Vorbereitungen des Blended Intensiv Programme, Erasmus+. Mit Unterstützung des Cultural Forums Austria, mit Sitz in Pretoria, war es dem
Fashions and Styles Team möglich, Kunsttransporte für die Werke der Kolleg:innen aus Südafrika nach Wien durchzuführen, um in Folge eine Gruppenausstellung gemeinsam mit Positionen der Kolleg:innen aus Namibia an der Akademie zu gestalten. Weiterhin wurde eine Kooperation mit dem in Wien ansässigen Kunstraum MEZEKƎRƎ geschlossen, der sich der künstlerischen Praxis der Global Majority und ihrer Diaspora verschrieben hat. MEZEKƎRƎ versteht sich als translokaler Raum, ein Ort radikaler Gastfreundschaft, der Begegnung, des gemeinsamen Lernens, der lokale Künstler:innen mit internationalen Kontexten verbindet. Das Jahresprogramm umfasst Ausstellungen, Performances, Konzerte, Lesungen, Workshops, Residencies und Gemeinschaftsveranstaltungen.

Das Team der Akademie der bildenden Künste begrüßte die internationalen Gäste nach ihrer Ankunft am 4. Mai 2026 zu einem ungezwungenem Welcome - Picknick im Stadtpark. Danach begannen die Studierenden der University of Johannesburg und der AKBILD ihre Zusammenarbeit in Tandems, erstmals abseits des digitalen Raums. Unter dem Banner “OBJECTS, DESIGN, LIFEWORLDS, ENTANGLEMENT” entwickelten sie in den folgenden
Tagen Co-Designs: gemeinsame Objekte, Kleidungsstücke und Kunstwerke. Am IKL wurden sie dabei von Kolleg*innen in den Werkstätten (Nähwerkstatt, Siebdruck, Mac Raum) unterstützt. Parallel dazu fanden Theoretical Input Sessions statt, die durch die Lehrenden der 3 Universitäten abgehalten wurden mit gemeinsamen Präsentationen, Workshops und Ausstellungsbesuchen. Im BIP Atelier, welches den Studierenden für die Dauer der Projektwoche zur Verfügung gestellt wurde, konnte abseits der Lehre unabhängig gearbeitet, geträumt und experimentiert werden.

Das Gast - Lehrenden- Team wurde zu einem BIPOC-Only-Dinner mit einem Artist Talk zu Ehren der brasilianischen Künstler:in Gê Viana in den Kunstraum MEZEKƎRƎ eingeladen. Gê Viana, deren großformatige Soundsystem-Installationen zuletzt auf der Biennale in Rio de Janeiro gezeigt wurden, absolviert derzeit ein MEZEKƎRƎ Artist in Residency Programm. Ein Zusammentreffen verschiedener Akteure der Global Majority, das Erkennen der Überschneidungen in den individuellen Künstlerischen/Research Practices mit Fokus auf Archiven, Erinnerungen, visuellen Erzählungen und Gegen-Narrativen, hinterließ ein Gefühl der Verbundenheit und des Aufbruchs.

Die Blended Intensiv Programme Projektwoche war durch eine Reihe an öffentlichen Veranstaltungen geprägt. Am Mittwoch eröffnete die Ausstellung “Making, Memory and Resistance - Textile Healing and Social Justice through the Lens of Decolonial Fashion Research” in der Galerie Exhibit Eschenbachgasse, die 3 unabhängige Positionen von Khaya Mchunu und Kiara Gounder (South Africa), Maria Caley und Loini Iizyenda (Namibia), und Tinyiko Baloyi (South Africa) präsentierte.Die Ausstellung zeigte forschungsbasierte Installationen, die textile Praktiken als Orte der Erinnerung, des Widerstands und der Heilung untersuchen. Moderiert von Anna Hambira, führten die Künstler:innen in Walk Abouts die zahlreichen Gäste durch ihre Arbeiten.

Xinhlamune von Tinyiko Baloyi basiert auf zeitgenössischen Auseinandersetzungen mit N'wana- Figuren als lebendige Bewahrerinnen textiler indigener Design-Praktiken der Tsonga-Kultur. Xinhlamune ist Ausdruck dekolonialer Wissensformen, geprägt durch die Einbindung in Familie und Gemeinschaft, von Initiation und Identität. Die N'wana-Figuren wurden im Co-Designs mit Mitglieder ihrer Familie gestaltet. Textile Techniken des Knüpfens, Knotens und Strickens verbinden sich hier mit Schnitttechniken der Konstruktion und Drapage.

The Martin Molefe Memory Project von Khaya Mchunu und Kiara Gounder widmet sich dem aus der kollektiven Designgeschichte gelöschten Modedesigner Martin Molefe. Molefe, der in Soweto der 1950er- und 1960er-Jahre während der sogenannten “Rassentrennung” im Apartheidsystems tätig war, begegnet den beiden Designer:innen / Researcher:innen erstmals in einem Archiv: auf den Seiten des Magazins “Drum” unter dem Titel “Prince of African Fashion”. Im Rahmen des Projekts entstanden, der Handschrift des Designers folgend, spekulative Kleidungsstücke. Mchunu und Gounder entfernten sich von der reinen Reproduktion, trafen Designentscheidungen im Kontext der Dekolonisierung und schufen so mittels Speculative Design zeitgenössische Kleidungsstücke, eingebettet in die Schwarzen Modehistorie Südafrikas.

Okakayiwa/Sikayiwa/Otjikaiva von Maria Caley & Loini Iizyenda zeigt den Einfluss der kolonialen Gewalt auf die Entwicklung der verschiedenen Kopftuch-Formen der Aawambo-, Kavango- und Ovaherero-Frauen. Das Kopftuch, im Zuge der sogenannten Missionierung als Mittel der Unterdrückung eingesetzt, verdrängte gewaltvoll indigene Frisuren und Kopfbedeckungen und wurde zum invasiven Eingriff in Identität, Zugehörigkeit und Kommunikation der Betroffenen. Die
Aneignung, Dekonstruktion und Weiterentwicklung in diverse Trageformen des Kopftuchs wird dekolonialer identitätsbildender weiblicher Widerstand im historischen und heutigen Alltag für Angehörige der oben genannten Volksgruppen.

Am Ende der Walk Abouts trafen die Designer:innen/ Researcher:innen/Künstler:innen gemeinsam mit Anna Hambira in einer Reflection Round auf Faris Cuchi Gezahegn. Dey ist ein:e intersektionale LQBTQIA* Aktivist:in, Performancekünstler:in, PCCC-Stand-Up-Comedian, Dichter:in und aktives Gründungsmitglied des Kunstraumes MEZEKƎRƎ. Mit dem Themenschwerpunkt “Joyful Resistance, Decolonial Archive Practices, Indigenous Knowledge & Textile Healing” reflektierten die Teilnehmenden im öffentlichen Gespräch gemeinsame Fragestellungen. Am nächsten Tag fand in den Räumen von MEZEKƎRƎ ein öffentlicher Workshop von Tinyiko Baloyi (University of Johannesburg) statt.

Das Abschlussevent der Blended Intensiv Programme Projektwoche bildete die zweite Ausstellung in der Eschenbachgasse mit dem Titel Draft Exhibition „Objects, Design, Lifeworlds, Entanglement“. Hier traten die während der Woche im Co-Design von den internationalen Studierenden Teams erarbeiteten Werke in vielstimmige Dialoge mit den Positionen von Tinyiko Baloyi, Maria Caley & Loini Iizyenda, sowie Kiara Gounder & Khaya Mchunu. What Does Love Feel Like von Olivia Gründler & Kathleo Kananelo Kivido, Seen and Be Seen von Lwazi Sigwaza & Nasch Neugebauer, Wer sind die Oiden? Wie is die Oues? von Sidonie Sagmeister & Nasief Davis, Ya Lesedi, stark wie zärtlich von Promise Mtshana und Sophie Dögl und Echo Bloom von Kelebogile Thoka & Zoé Schwarz. Das Spektrum der Arbeiten reichte von Modeinstallationen über textile Skulpturen und performative Interaktionen bis hin zu Sound und Text. Die Ausstellung verdichte sich nun zu einem Gefüge verflochtener Geschichten, gemeinsamer Beobachtungen, geteilter Positionen und Erfahrungen. Gleichzeitig war sie Ausdruck eines offenen Prozesses im Spannungsfeld von Begegnung, Aushandlung und Transformation.

Das Ziel ist es, jetzt nach Abschluss der Förderung durch die ERASMUS+International Credit Mobility der EU im nächsten Schritt mit allen Werken nach Johannesburg zurückzukehren, und dort lokale Kunst-/Kulturschaffende und weiteren Studierende aus Johannesburg einzuladen die Ausstellung mit ihren Arbeiten weiter zu entwickeln und so dekoloniale Perspektiven auf Mode, Design, Kunst und materielle Kultur weiter aktiv zu gestalten und weitere Räume für Handlungsfähigkeit und kritische Reflexion zu eröffnen.

Weiterführende Links
Die Reflection Round mit dem Themenschwerpunkt “Joyful Resistance, Decolonial Archive Practices, Indigenous Knowledge & Textile Healing” wird in 3 Teilen als GLOBAL CLASSROOM Video Podcast veröffentlicht.