Post-digital. Eine Position – Claudia Larcher
Der Forschungscluster | Digitale Kulturen lädt zu einem Vortrag der neuen Professorin für Postdigitale Kunst, Claudia Larcher, ein.
Das Digitale ist kein Sonderfall mehr. Bilder werden wie selbstverständlich durch computergestützte Systeme erzeugt, verbreitet und betrachtet, und der Begriff „digitale Kunst“ bezeichnet längst nichts Bestimmtes mehr. Post-digital benennt genau diese Situation. Die Werkzeuge sind so alltäglich geworden, dass die Frage, ob ein Werk digital ist, kaum noch etwas aussagt. Entscheidend ist, was das Werk mit dieser Alltäglichkeit macht. In ihrem Vortrag formuliert Claudia Larcher eine Position für die neue Professur für Post-digitale Kunst am Institut für bildende Kunst. Sie verwendet den Begriff als Arbeitsbegriff und fragt, was er in der Praxis verändert: für die Art, wie Werke entstehen und gezeigt werden, und für die Lehre an einer Kunstuniversität. Ein Beispiel zieht sich durch den gesamten Vortrag: ihre eigene Arbeit mit KI als Werkzeug zur Neuinterpretation von (Kunst-)Geschichte.
Claudia Larcher, geboren 1979 in Bregenz, ist Künstlerin und experimentelle Filmemacherin. Sie lebt in Wien und studierte an der Universität für angewandte Kunst Wien. Aus fotografischen Fragmenten von Architekturen, Landschaften und Körpern, die sie seziert, spiegelt, neu dimensioniert und montiert, hat sie eine eigene Bildsprache entwickelt, in der statische Bilder zu fiktiven Kamerafahrten werden. In jüngeren Arbeiten erweitert sie diese Bildsprache durch algorithmische Animation und immersive Installationen, in denen Analoges und Digitales ineinandergreifen. Ihre künstlerische Forschung kreist um die Materialität des Digitalen und um die Frage, wie algorithmische Bildproduktion unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit prägt. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in den Anthology Film Archives in New York, bei der Ars Electronica in Linz, im Centre Pompidou in Paris und bei der Manifesta 13 gezeigt. Zu ihren Auszeichnungen zählen der Preis der Kunsthalle Wien (2008), der Outstanding Artist Award für Video- und Medienkunst (2016) und der Österreichische Kunstpreis für Künstlerische Fotografie (2023). Nach ihrer Tätigkeit als Senior Lecturer in der Klasse TransArts an der Universität für angewandte Kunst Wien (2021–2023) ist sie seit 1. Oktober 2026 Professorin für Post-digitale Kunst am Institut für bildende Kunst der Akademie der bildenden Künste Wien.