Métro, Boulot, Lycée, Caveau („Metro, Arbeit, Gymnasium, Grab“). Ein Slogan französischer Gymnasiast_innen während der Schulblockaden im Oktober 2026
Vortrag von Anthony Davies und Rowan Parker-Renwick, organisiert von Martin Beck (IKL) und Sabeth Buchmann (IKW).
Im Jahr 2010, nach der von Studierenden initiierten Besetzung der Akademie der bildenden Künste Wien (AKBild), lud Anthony Davies Sabeth Buchmann ein, vor Studierenden am Central Saint Martins (University of the Arts London) zu sprechen. Sie reflektierte dort – aus der Perspektive einer „besetzenden Akademikerin“ – über das Verhältnis von Institutionskritik und institutioneller Politik. Um diesen Austausch fortzuführen, besuchen Davies und Rowan Parker-Renwick nun die AKBild. Sie werden dort aktuelle Entwicklungen in der britischen Kunstausbildung sowie die „Polykrise“, die diesen Sektor prägt, erörtern. In seinem kürzlich veröffentlichten „Rücktrittsschreiben“ – erschienen in der Zeitschrift Variant unter dem Titel The Incidental University (Frühjahr 2025) – ordnet Davies die Umstrukturierung seines Arbeitsplatzes in einen breiteren historischen Kontext ein. Er verweist dabei auf ausbeuterische Beschäftigungspraktiken und ein globales Muster der doppelten Kommodifizierung, das dort entsteht, wo Bildung auf Erwerbsarbeit trifft. In der geplanten Veranstaltung beleuchtet Davies – aus seiner Sicht als Dozent mit Festanstellung – die Widersprüche zwischen dem ‚gesellschaftlichen Zweck‘ einer Bildungseinrichtung und Projekten, die auf eine ‚gesellschaftliche Verordnung‘ (social prescribing) von Bildung abzielen. Als Gegenpart dazu thematisiert Rowan Parker-Renwick – Absolventin und selbst von prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen – die Perspektive von Studierenden und Absolvent*innen auf institutionelles Versagen, gewerkschaftliches Engagement sowie die autonome Organisierung von Studierenden und jungen Erwerbstätigen. Im Sinne einer „Arbeiter*innenuntersuchung“ (workers’ Inquiry) gehen beide der Frage nach, wie sich diese lokalen Erfahrungen artikulieren und mit einer breiteren, internationalen Bewegung verknüpfen lassen.
Anthony Davies ist ein in London lebender Autor, unabhängiger Forscher und Organisator. Derzeit ist er als Verhandlungsführer für die Gewerkschaft „Cleaners and Allied Independent Workers Union“ (CAIWU) tätig und arbeitet als Dozent im Fachbereich „BA Fine Art“ am Central Saint Martins College der University of the Arts London. Er ist Gründungsmitglied der „MayDay Rooms“, einer in London ansässigen gemeinnützigen Bildungseinrichtung, die als sicherer Aufbewahrungsort für historisches Material aus sozialen Bewegungen und experimenteller Kultur dient. Als Autor zu Themen aus den Bereichen Kunst, Politik und Wirtschaft hat Davies in zahlreichen Fachzeitschriften publiziert, darunter Mute, Texte zur Kunst, Art Monthly, Metropolis M, Documents NY und Nossa Voz. Kürzlich erschien zudem sein Beitrag „The Incidental University“ in der Zeitschrift *Variant* (Sonderausgabe, Frühjahr 2025).
Rowan Parker-Renwick ist eine in London tätige Kulturschaffende. Ihre vielfältigen Erfahrungen spiegeln ihre Perspektive als junge Erwerbstätige wider; sie ist aktuell in verschiedenen Rollen aktiv, unter anderem als Front-of-House-Mitarbeiterin, Einlasskraft, Sounddesignerin, Szenenbildnerin, Galerieassistentin und Kuratorin. In ihrem Wirken – das sich über die Nachtszene, den Galeriebetrieb und den Designbereich erstreckt – setzt sie sich aktiv gegen problematische Beschäftigungspraktiken ein. Ihre gestalterische, schriftstellerische und kuratorische Arbeit untersucht zudem Machtstrukturen innerhalb kultureller Produktionssysteme. Sie ist fest in der Londoner queeren elektronischen Musikszene verankert: Dort setzt sie sich für die Gestaltung von Einlassrichtlinien und Schutzkonzepten (Safeguarding) in Nachtclubs ein, während sie gleichzeitig als Sounddesignerin für DJs, Produzent*innen, Autor*innen, Ausstellungen und Filme tätig ist.