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Neue Professorin für postdigitale Kunst ab 1.10.: Claudia Larcher

Wir heißen Claudia Larcher (Univ.prof. § 99 für Post-digitale Kunst am Institut für bildende Kunst) herzlich an der Akademie der bildenden Künste Wien willkommen!

Claudia Larcher ist Künstlerin, experimentelle Filmemacherin und KI-Forscherin. Seit über zwei Jahrzehnten untersucht sie, wie Wirklichkeit entsteht, wenn analoge und digitale Verfahren einander überlagern. Aus fotografischen Fragmenten von Architekturen, Landschaften und Körpern, die sie seziert, spiegelt, neu dimensioniert und montiert, hat sie eine eigene Formensprache entwickelt, in der statische Bilder zu fiktiven Kamerafahrten werden. Ihre oft menschenleeren, kaleidoskopischen Architekturporträts verhandeln Räume, die mit Heimat und Erinnerung verbunden sind und sich zugleich als Scheinidyllen erweisen.

In jüngeren Arbeiten erweitert Larcher das Bild durch algorithmische Animation und immersive phygitale Installationen, in denen Analoges und Digitales ineinandergreifen. Im Zentrum ihrer aktuellen Forschung stehen die Materialität von Daten, ökologische Zukunftsszenarien und ein kritischer, biasbewusster Umgang mit künstlicher Intelligenz. Sie greift in die Datensätze ein, aus denen die Systeme lernen: Leerstellen werden gefüllt, veränderte Bilder in Archive zurückgeführt. Weil algorithmische Systeme die Machtverhältnisse ihrer Trainingsdaten reproduzieren, leitet sie gemeinsam mit der Kuratorin Eva Fischer das Forschungsprojekt „Imagine AI for Dignity“ zu regenerativen und antidiskriminierenden Werten im Design von KI-Systemen.

Post-digital bedeutet für Larcher, dass das Digitale normal geworden ist und die Frage nicht mehr lautet, was Technologie kann, sondern was sie tut. Post-digitale Kunst ist für sie deshalb eine Querschnittsperspektive, die jede künstlerische Praxis betrifft. In der Lehre geht es ihr weniger um die Bedienung digitaler Werkzeuge als darum, Studierende zu befähigen, die Systeme zu verstehen, in denen sie ohnehin leben und arbeiten, und darin künstlerisch präzise und souverän zu handeln. Die Universität ist für sie der Ort, an dem Technologie kritisch angeeignet wird.

Claudia Larcher studierte Medienkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien, wo sie lebt und arbeitet. Ihre Filme, Installationen und Collagen wurden unter anderem bei den Anthology Film Archives New York, im Centre Pompidou Paris, bei Ars Electronica und im HOW Art Museum Shanghai gezeigt. Personalen widmeten ihr die Viennale (2013) und die Anthology Film Archives (2016), im Oktober 2026 folgt eine Personale im Österreichischen Filmmuseum. Zu den jüngsten Einzelausstellungen zählen „No applause. no life. no pain.“ (Francisco Carolinum Linz, 2026) und „Extinction Stories“ (Recontemporary, Turin, 2025). Sie erhielt den Outstanding Artist Award für Video- und Medienkunst (2016) und den Österreichischen Kunstpreis (2023). Larcher war Senior Lecturer im Leitungsteam der Klasse TransArts an der Universität für angewandte Kunst Wien (2021 bis 2023) und Gastprofessorin an der TU Wien (2014).

https://www.claudialarcher.com/