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Objekt des Monats Oktober 2026: Die LIDL-Akademie

Anlässlich der laufenden Diskussion über Formen politischen Widerstands an der Akademie ist das Objekt des Monats das aktuell in der Gemäldegalerie ausgestellte Modell der LIDL-Akademie.

Die 1968 von Jörg Immendorff und Chris Reinecke an der Kunstakademie Düsseldorf initiierte LIDL-Bewegung verband Kunst, Alltag und politischen Protest. LIDL war ein aus der Babysprache entnommenes Nonsens-Wort. Als Gegenentwurf zum etablierten Kunstbetrieb richtete sich die Bewegung gegen hierarchische Strukturen und setzte sich für eine offenere, gesellschaftlich wirksame Kunst ein. Im Umfeld der 68er-Proteste entstanden Aktionen, die traditionelle Grenzen zwischen Kunstschaffenden und Publikum auflösten und neue Formen gemeinschaftlichen Handelns erprobten. Studierende und Beteiligte stellten bestehende Lehrstrukturen infrage, schufen Räume für öffentlichen Austausch und organisierten eigenständige Veranstaltungen. Im LIDL-Raum in der Düsseldorfer Altstadt wurden Treffen von Bürgerinitiativen abgehalten – oder auch Häkelkurse für Männer. Auch die geplante LIDL-Stadt gehörte zum experimentellen Konzept: Eine Siedlung aus Holz und Packpapier sollte gemeinschaftliches Leben jenseits etablierter gesellschaftlicher Modelle ermöglichen. Die Aktionen führten zu Konflikten mit der Akademieleitung und der Polizei und machten LIDL zu einem Ausdruck des Aufbruchs jener Zeit. Das Projekt LIDL bestand nur zwei Jahre. Nach Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gruppe löste sich LIDL im Jahr 1970 endgültig auf.

Der große Michelangelo ist tot! Avantgarde und Akademismus
2.10.2026–22.8.2027