Musikinstrumente als Subjekt des Wissens: Körper und Animalität
Dissertationsprojekt
von Camila Sposati, Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften
Projektstart: 16.03.2020
Abstract
Kann ein Musikinstrument ein Subjekt des Wissens sein? Ausgehend von der Arbeit des französischen Kunsttheoretikers Hubert Damisch untersucht diese Dissertation die epistemologische, ontologische und theoretische Möglichkeit zweier Blasinstrumente, indem sie sich ihnen als Subjekten des Wissens nähert. Im Dialog mit dem Perspektivismus und dem Konzept der kontrollierten Äquivokation des brasilianischen Anthropologen Eduardo Viveiros de Castro erschließt sie einen neuen analytischen Zugang. Dieser soll verstehen helfen, auf welche Weise die formale Struktur solcher Instrumente über ihre unmittelbaren Kontexte hinausreicht, indem die Instrumente die Perspektive der Betrachtenden durch ihre eigene ersetzen.
Anhand von Exemplaren, die sich derzeit in Wien befinden, lenkt diese Studie die Aufmerksamkeit auf zwei Instrumente, die sich historisch und kulturell in ihrer Materialität und affektiven Kraft unterscheiden. Der Serpent, ein europäisches Blasinstrument aus dem 16. Jahrhundert, gehört zur Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums und ist seit spätestens 1665 in deren Inventar dokumentiert. Yurupari, ein indigenes Blasinstrument aus dem nordwestlichen Amazonasgebiet, befindet sich seit 1973 im Weltmuseum Wien. In musealen Systemen unterschiedlich klassifiziert – das eine als Musikinstrument, das andere als ethnografisches Artefakt –, werden beide in dieser Dissertation durch eine Reihe konzeptueller Verschiebungen neu betrachtet. Unter Einbeziehung von Kunsttheorie, Sozialanthropologie, Organologie, Musikwissenschaft und Wissenschaftsgeschichte lässt die Studie theoretische Reflexion als Antwort auf die materielle, kulturelle und sinnliche Präsenz der Instrumente entstehen.
Schlüsselwörter: Musikinstrumente, Animalität, Verkörperung, kulturübergreifendes Denken, museale Präsentation
Kurzbiographie
Camila Sposati ist eine in Sao Paulo (Brasilien) geborene bildende Künstlerin und Forscherin. Sie hat einen Master-Abschluss in Fine Arts vom Goldsmiths College London. Sie veröffentlichte bei Revolver (Berlin) das Buch Stone Theatre (2016). Seit 2020 ist sie Doktorandin in Philosophie am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien.