Einladung zur Defensio von Hannah Katalin Grimmer
Das Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien lädt herzlich zur Defensio von Hannah Katalin Grimmers Dissertation "El arte del porvenir. Die Kunst kommender Welten.
Künstlerischer Aktivismus und widerständige Erinnerung in Chile" ein.
Mitglieder des Prüfungssenats sind: Prof.in Dr.in Ruth Sonderegger (Vorsitz), PD Dr. phil. habil. Jens Kastner (1. Betreuer_in), Prof.in Dr.in Dr.in h.c. Astrid Erll (2. Betreuer_in, Goethe-Universität, Frankfurt am Main), Prof.in Dr.in Ann Rigney (externe_r Gutachter_in).
Die Defensio findet in deutscher Sprache in Raum M20 an der Akademie am Schillerplatz statt.
Abstract
In dieser Dissertation wird die Verflechtung von Kunst, Aktivismus und Erinnerung in Chile zwischen 1964 und 2023 untersucht. Dabei werden Diktatur und Postdiktatur nicht als abgeschlossene Perioden gefasst, sondern anhand historischer Kontinuitäten betrachtet, die auf die fortwährende Präsenz der Vergangenheit in der Gegenwart hindeuten. Im Dialog zwischen den anglo-europäischen Memory Studies und den lateinamerikanischen Estudios sobre memoria wird das Analysekonzept der "remediatisierten Vergegenwärtigung entwickelt. Es beschreibt, wie künstlerische Praktiken Motive und Symbole in transtemporalen Prozessen mittels verschiedener Medien reaktivieren und neu kontextualisieren. Anhand der aus sozialen Bewegungen stammenden Leitmotiven No+ [Nicht mehr], Somos+ [Wir sind mehr] und Dignidad [Würde] werden Murales, Stencils, Paste-ups, Fotografien, Malerei und Performances analysiert. Die Dissertation zeichnet nach, wie Künstlerinnen als Erinnerungsakteurinnen agieren und die von der Diktatur etablierte und fortwirkende Kontrolle der Wahrnehmung unterbrechen. Dabei zeigt die Arbeit, dass künstlerische Interventionen ein porvenir, also eine kommende Welt, entwerfen. An der Schnittstelle von Kunsttheorie, Kulturwissenschaft und Erinnerungsforschung leistet sie einen Beitrag zum Verständnis visueller Kultur als widerständiger Form der Erinnerungsarbeit.
Kurz-Biographie
Hannah Katalin Grimmer ist freie Kuratorin und Doktorandin der Kunst- und Kulturwissenschaften an der Akademie der bildenden Künste Wien und der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie studierte Kulturwissenschaften und Romanische Studien (B.A.) an der Universität Leipzig sowie Curatorial Studies (M.A.) an der Goethe-Universität und der Städelschule Frankfurt am Main. Ihre Forschung zu zeitgenössischer Kunst aus Lateinamerika verbindet Memory Studies und dekoloniale Ansätze, insbesondere in Chile und Argentinien.
Beruflich war Hannah K. Grimmer im kuratorischen Team des Gropius Bau in Berlin tätig und arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin am documenta-Institut der Universität Kassel. Ihre kuratorische Praxis umfasst Ausstellungen und Projekte unter anderem in Berlin, Frankfurt, Paris und Santiago de Chile, darunter die dreiteilige Ausstellungsreihe "Memorias, símbolos y resistencias" [Erinnerungen, Symbole und Widerstände] (2023–2024).
Darüber hinaus publiziert sie in Zeitschriften, Sammelbänden und Ausstellungskatalogen. Sie ist Übersetzerin und Mitherausgeberin der Neuauflage von Operación Silencio. Chile después de Salvador Allende (Editorial USACH, 2023) [Operación Silencio. Chile nach Salvador Allende, 1974]. Im Rahmen verschiedener Stipendien unternahm sie längere Forschungsaufenthalte in Santiago de Chile und Buenos Aires und kooperierte dabei mit der Universidad de Chile, der Universidad de Santiago de Chile (USACH), der Pontificia Universidad Católica de Chile sowie der Universidad de Buenos Aires. Sie arbeitet in deutscher, spanischer und englischer Sprache.