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Strategien einer Bildpraxis. Fotografisches Entwerfen anhand dokumentarischer Bilder von öffentlichen Plätzen

Helga Aichmaier
Dissertationsstipendiatin an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz | Abschluss-Stipendium des Doktoratszentrums 2015|16

Abstract

Aktuelle Studien im Bereich der Bildwissenschaften, visueller Kommunikation und Wissenschaftsgeschichte beschäftigen sich mit dem Begriff des ‚Entwurfs‘ als eine Form von Entscheidungsprozessen bei Design, Malerei und Zeichnung. Es wird angenommen, dass es Parallelen zum Fotografieren gibt.

Zur Fotografie wurden viele Studien über Publikationskontexte durchgeführt – dabei wurde jedoch die produktionsästhetische Seite vernachlässigt. Es gibt dafür auch kaum verfügbares Forschungsmaterial wie etwa Kontaktbögen, Skizzen oder Probeabzüge. Daher wurde eine Methode adaptiert um fotografische Explorationen und theoretische Überlegungen zu kombinieren ( ‚Practice-led Iconic Research‘ ): Wissen über Bilder kann durch die Generierung von Bildern in Erfahrung gebracht werden (Michael Renner).

Der Begriff der ‚dokumentarischen Fotografie‘ wird mithilfe des Begriffs „fluides Konzept“ (Olivier Lugon) kritisch hinterfragt, wobei deutlich gemacht wird, dass ein dokumentarisches Konzept von seinen Publikations- als auch Herstellungskontexten abhängt. Diese inhaltliche Bandbreite wird durch die Analyse künstlerischer Beispiele angedeutet (Sibylle Bergemann, Jules Spinatsch).

Archivbilder und fotografische Explorationen der Autorin sind der Fundus für die Analysen: Die Entwurfsstrategien von dokumentarischer Fotografie werden anhand des Vergleichs von vier ausgewählten öffentlichen Plätzen herausgearbeitet (Heldenplatz Wien, Hauptplatz Linz, Zaunplatz Glarus, Marktplatz Basel). Dadurch können die Forschungsfragen beantwortet werden: Wie muss ein dokumentarisches Bild eines öffentlichen Platzes beschaffen sein, um als ein solches erkannt zu werden? Ist es möglich verschiedene Entwurfsstrategien dafür zu unterscheiden? Die Erörterung zeigt verschiedene Entwurfsstrategien von dokumentarischer Fotografie anhand öffentlicher Plätze auf und ermöglicht dadurch Einblicke in die Verfertigung bildspezifischen Wissens.

Bio

Helga Aichmaier ist derzeit Doktorandin an der Kunstuniversität Linz. Sie studierte visuelle Kommunikation an der Universität für angewandte Kunst Wien (1999-2004). Nach einigen Jahren als selbstständige Grafik Designerin in Wien wechselte sie in das Feld der Bildforschung zu „eikones“, dem Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) für Bildkritik an der Universität Basel als wissenschaftliche Assistentin (2008-2009). Anschließend wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel/eikones NFS Bildkritik (2009-2012). Forschungsschwerpunkte: Visuelle Kommunikation, Fotografie, Designforschung und deren Methoden, Entwurfsforschung innerhalb der Bildwissenschaften.