Gu Shuxing (1897–1968): Fotografie, Exil und transnationale Netzwerke
Vortrag von Dr. Yizhou Wang, Assistenzprofessorin für chinesische Kunst und Kultur am Chu Hai College in Hong Kong, über die Fotografin, Pädagogin und politische Aktivistin Gu Shuxing (1897–1968). Organisiert von Univ.-Prof. Noit Banai, Insitut für Kunst-und Kulturwissenschaften.
Gu Shuxing (1897–1968) war eine Intellektuelle, die „im Schatten“ ihres Ehemanns Chen Hansheng (1897–2004), eines international renommierten chinesischen Sozialwissenschaftlers und Aktivisten, ihre Kamera einsetzte. Obwohl sie als herausragende frühe chinesische Fotografin anerkannt ist, bleibt ihr fotografisches Schaffen bis heute weitgehend unerforscht. In enger Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann war Gu zudem Pädagogin, politische Aktivistin und kommunistische Untergrundspionin. Dieser Vortrag zeigt auf der Grundlage umfangreicher Archivforschungen, dass Gus Fotografien – entstanden während ihrer fortwährenden Reisen und Exile in China, Russland, Japan, den Vereinigten Staaten, Hong Kong und Indien zwischen den späten 1920er Jahren und 1950 – eine vielschichtige globale Geschichte des 20. Jahrhunderts widerspiegeln.
Der Vortrag konzentriert sich auf Gus Fotografien der amerikanischen Arbeiterklasse, die während ihrer Exilaufenthalte in New York Ende der 1930er und 1940er Jahre entstanden sind. Er untersucht die zugrunde liegenden Konzepte, künstlerischen Einflüsse sowie die globalen politischen und gesellschaftlichen Kontexte ihrer Arbeiten und zeigt auf, wie sich Gu in einem mehrsprachigen und transkulturellen Umfeld von einer Amateurfotografin zu einer professionellen Fotojournalistin entwickelte. Durch die visuelle Analyse ihrer Fotografien im Zusammenhang mit den Spuren chinesischer Netzwerke in den Vereinigten Staaten wird argumentiert, dass Gu sich bewusst von dem in den 1930er Jahren in China verbreiteten Piktorialismus distanzierte. Stattdessen orientierte sie sich an der Photo League, einem New Yorker Kameraclub und Ausbildungszentrum für Fotografie und übernahm eine sozialrealistische Bildsprache mit radikalem Blickwinkel.
Darüber hinaus beleuchtet der Vortrag die Wechselwirkungen zwischen ihrem Werk und der chinesischen Kriegsfotografie während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges. Ebenso untersucht er die rätselhaften Verbindungen zwischen ihrer fotografischen Praxis und den internationalen Spionagenetzwerken, in die sie verstrickt war.