titre provisoire (Cathleen Schuster and Marcel Dickhage): Über wilde Streiks
Vortrag von titre provisoire (Cathleen Schuster and Marcel Dickhage) organisiert von Wendelien van Oldenborgh, Fachbereich Kunst und Intervention | Konzept, im Rahmen der IBK Ringvorlesung.
Im Vortrag stellen wir unsere laufende Recherche über wilde Streiks der Arbeiter_innenkämpfe der 1970er Jahre in Westdeutschland vor. Diese Streiks wurden von migrantischen Arbeiter_innen initiiert und unabhängig von den deutschen Gewerkschaften durchgeführt. Eine erste Streikwelle Anfang der 1960er Jahre endete damit, dass die Initiatoren der Streiks verhaftet und abgeschoben wurden. Im Jahr 1973 erreichte die Zahl der Streiks ihren Höhepunkt. In den meisten Fällen ging es nicht nur um Forderungen wie ungleiche Löhne, sondern auch um den allgemeinen Rassismus, der sich unter anderem in miserablen Wohnverhältnissen, Diskriminierung aufgrund der Sprache, Schikanen durch Behörden und einem unsicheren Aufenthaltsstatus äußerte. Im Jahr 1973 streikten etwa 275.000 Beschäftigte in 335 Unternehmen. Es werden Ausschnitte von zwei Dokumentarfilmen über die größten Streiks des Jahres 1973 gezeigt. Gleichzeitig werden wir über verschiedene theoretische und historische Quellen darstellen, wie diskriminierende Handlungsweisen bereits zu einem früheren Zeitpunkt der Arbeitsmigration während der Kaiserzeit existiert haben und seitdem angewendet werden und fortbestehen.
Cathleen Schuster und Marcel Dickhage arbeiten ausgehend von recherchebasierter Forschung in zeitbasierten Medien, mit Archiven und Text/Bild bezogen. Sie arbeiten kollaborativ unter dem Namen titre provisoire zusammen und leben in Berlin. Sie sind Alumni des Whitney Independent Study Program und der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Zuletzt haben Sie ihre Arbeiten in der Halle für Kunst Lüneburg gezeigt, sowie auf der Singapur Biennale 2019, im öffentlichen Raum des Semmering, Horse&Pony Berlin, D21 Leipzig, Sharjah Art Foundation, after the butcher Berlin, Taxispalais Kunsthalle Tirol, Kunstverein Harburger Bahnhof Hamburg, Berlinische Galerie, GfZK Leipzig, Ludlow 38 New York, Kunsthalle Düsseldorf, SAVVY Contemporary, Kyiv Biennale 2015 und bei Anthology Film Archives, neben anderen.