Infrastructure and the Heretic
Ein Vortrag von Àngels Miralda über institutionelle Macht, den Künstler als Ketzer, kuratorischen Dissens und den Widerstand der unabhängigen Kunstszene. Organisiert vom Fachbereich Kunst und Bild I Expansion, im Rahmen der IBK Ringvorlesung.
Die Vorlesung untersucht, wie Kunstinstitutionen (wie Museen und Galerien) nicht nur Orte der Kunstausstellung sind, sondern auch als Instrumente fungieren, die Ideologien, Machtverhältnisse und ökonomische Strukturen produzieren. Sie zeigt auf, wie Institutionen kritische Kunst häufig in das bestehende System integrieren und dadurch ihre Wirkung neutralisieren, während Künstler und Kulturarbeiter zugleich versuchen, neue Formen der Solidarität und Organisation innerhalb und gegen diese Institutionen zu entwickeln. Insgesamt konzentriert sich der Vortrag auf Arbeit, Klasse und Institutionskritik in der Kunstwelt.
Àngels Miralda beschäftigt sich lose mit der Verbindung zwischen Landschaft und Identität. Wie entsteht Kultur durch die Konturen von Bergen, die Beschaffenheit des Bodens und die Verfügbarkeit von Süßwasser? Menschliche Identität ist eine Aushandlung mit unserer materiellen Umgebung. Imperialismus als kulturelles Modell ist eine Ansammlung auferlegter Formen und Kulturen, die nicht mit ihrer äußeren Realität übereinstimmen und von politisch gefügigen Institutionen gestützt werden.
Miralda ist international bekannt für theoretische und kritische Texte wie Who Killed the Independent Curator?, veröffentlicht im Frieze Magazine, sowie für ihre vierjährige Tätigkeit als Chefredakteurin des Collecteurs Magazine, das konsequent institutionelle Verantwortung angesichts des andauernden Genozids in Palästina eingefordert hat. In den letzten zehn Jahren organisierte sie mehr als 60 Ausstellungen, darunter die groß angelegte internationale Biennale Contemporary Biennial TEA (2024) sowie zwei Ausgaben der Off-Biennial Cairo (2023 & 2025). Sie kuratierte institutionelle Ausstellungen im MAAC (Guayaquil), Radius CCA (Delft), Tallinn Art Hall (Estland), MGLC – International Centre for Graphic Arts (Ljubljana), Museum of Contemporary Art of Chile (Santiago), Museu de Angra do Heroísmo (Terceira, Azoren) sowie im Latvian Centre for Contemporary Art (Riga). Als Autorin veröffentlichte Miralda Texte in Publikationen und Künstler bei Verlagen wie Phaidon Press, Cukrarna, TBA21, IVAM und GRIMM Gallery sowie vielen weiteren.