Anca Benera und Arnold Estefán vertreten Rumänien auf der 61. Biennale in Venedig
Anca Benera studiert an der Akademie der bildenden Künste Wien im PhD in Practice und hat 2022 den Birgit Jürgenssen Preis erhalten. Sie bespielt heuer mit ihrem Partner Arnold Estefán den Rumänischen Pavillon auf der Biennale in Venedig mit der Ausstellung Black Seas – Scores for the Sonic Eye.
Black Seas – Scores for the Sonic Eye wurde für den rumänischen Pavillon entwickelt und präsentiert sich als vielschichtige Installation, in der Klang, bewegtes Bild, Skulptur und wissenschaftliches Material ein gemeinsames Forschungsfeld bilden. Durch die Aktivierung akustischer und geologischer Aspekte bieten die Künstler eine Lesart des Schwarzen Meeres, die durch ozeanografische Prozesse, Infrastrukturen der Rohstoffgewinnung und die sich überschneidenden Geschichten von Imperien und Handelsrouten vermittelt wird, die es mit dem Mittelmeerraum und darüber hinaus verbinden.
Das Schwarze Meer als Motiv, Metapher und Beziehungssystem: Der Pavillon basiert auf langjähriger Forschung zum Schwarzen Meer als ökologischem Becken und geopolitischer Grenze, in der Geschichte buchstäblich unter Wasser liegt. Das Schwarze Meer wird oft als ein von Grenzen definiertes, halbumschlossenes Meer beschrieben, ist aber dennoch eng mit umfassenderen ökologischen, geopolitischen und wirtschaftlichen Systemen verbunden. Das Meer fungiert als geschichteter Körper, in dem Oberflächenwasser von sauerstoffarmen Tiefen – einem der größten seiner Art weltweit – getrennt ist, wo Zersetzungsprozesse sich verlangsamen und das Meer zum Archiv wird.
Benera und Estefan präsentieren eine Installation, in der Video, Klang und skulpturale Elemente mit dem Meer in Einklang stehen, in das Donau, Don und Dnepr münden – gewaltige Flusssysteme, die Sedimente und Erinnerungen aus ganz Europa transportieren und Europas verflochtene Kolonial- und Politikgeschichte mit sich tragen. Diese Strömungen erstrecken sich bis zum Mittelmeer und zur Adria und verorten das Meer in umfassenderen Systemen von Zirkulation, Migration und Austausch, die es historisch sowohl mit Venedig als auch mit den Routen zwischen Asien und Europa verbanden. In seinen sauerstoffarmen Tiefen bleiben Spuren von Imperium, Ausbeutung, Vertreibung und ökologischem Wandel bestehen und wirken auf die materielle und politische Gegenwart ein.