Pracht und Kommerz – Italienische Renaissance-Buchproduktion aus kunsthistorischer und materialanalytischer Perspektive
ÖAW | Heritage Science Austria 2.0
geleitet von Wilfried Vetter, Institut für Naturwissenschaften und Technologie in der Kunst
Projektlaufzeit: 1.4.2026 – 31.3.2029
Wenige Epochen der europäischen Geschichte sind so eng mit der Buchkultur verbunden wie das Zeitalter des Humanismus, in dem die Wiederentdeckung klassischer Autoren eine zentrale Rolle spielte. Aus diesem Grund richtet sich der Fokus dieses Projekts auf zwei bedeutende humanistische Sammlungen des 16. Jahrhunderts in Wien: die Sammlung von Bischof Johannes Fabri, der eng mit Erasmus verbunden war, und die Bibliothek des Hofarztes und Historikers Johannes Sambucus, die viele prachtvoll illuminierte Exemplare italienischer Buchkunst beinhalten und in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt werden. Unser Ziel ist, durch eine Zusammenschau von kunsthistorischen Erkenntnissen und Materialanalysen die künstlerischen Arbeitsweisen zu untersuchen und daraus Informationen zu den verwendeten Malmaterialien sowie zur Herkunft, Produktion und zu Handelswegen zu gewinnen.
Da bei den angewendeten materialanalytischen Techniken (Röntgenfluoreszenzanalyse, Infrarotspektroskopie und Hyperspektralanalyse) sehr große Datenmengen anfallen, werden wir gemeinsam mit der TU Wien eine Auswertungssoftware entwickeln, die einen umfassenden KI-unterstützten automatisierten Vergleich der untersuchten Handschriften sowie die Erstellung von Datenbanken ermöglicht. Die Ergebnisse dieses Projekts werden Aufschluss über die Praktiken der Werkstätten in der frühen Neuzeit geben und die Verbreitung der Renaissance-Buchkunst in Europa sowie in der Wiener Gelehrtenwelt beleuchten. Es wird nicht nur das stereotype Bild der "Italienischen Renaissance" versus des "gotischen Nordens" hinterfragen, sondern auch die Grundlage für zukünftige Konservierungsmaßnahmen legen, um diese wertvollen Manuskripte als Zeugnisse unseres kulturellen Erbes zu bewahren.