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A Mimeo Archaeology. Zur Entwicklung einer Methode zur Klassifizierung mimeographierter Dokumente und zur Neubewertung ihrer historischen und sozialen Bedeutung

Projektleitung:
Julien Segarra (IKR), Raphael Pickl (Center for Vision, Automation and Control, AIT)

Projektteam:
Sigrid Eyb-Green (Akademie der bildenden Künste Wien, IKR), Laurin Ginner (AIT) 

Projektdauer:
3 Jahre

Gefördert von:
ÖAW | Heritage Science Austria 2.0

ÖAW | Heritage Science Austria 2.0
geleitet von Julien Segarra, Institut für Konservierung-Restaurierung
Projektlaufzeit: 1.5.2026 – 30.4.2029

A Mimeo Archaeology (AMA) widmet sich einem bisher in Österreich kaum untersuchten Medium: Der Mimeographie, einer schablonenbasierten Vervielfältigungstechnologie, die im 20. Jahrhundert in Bildung, Verwaltung, Kunst und aktivistischen Kontexten weit verbreitet war. Obwohl sie maßgeblich zur öffentlichen Kommunikation und zur Entwicklung informeller und alternativer Druckkulturen beitrug, bleiben sowohl das technische Verfahren als auch mimeographierte Dokumente in Österreich bisher weitgehend unerforscht. Mimeographierte Dokumente sind in Archiven häufig falsch klassifiziert, und daher nicht angemessen archiviert und geschützt.

Das interdisziplinäre Projekt verbindet Medienwissenschaft, Heritage Science, maschinelles Lernen (ML) und künstlerischer Forschung und entwickelt neue methodische Zugänge zur Identifikation, Analyse und Erhaltung mimeographierter Materialien. Der medienzentrierte, interdisziplinäre Ansatz versteht Mimeographie nicht nur als Reproduktionstechnik, sondern als historisch und materiell verankertes Kommunikationsmedium.

Das Herzstück des Projektes ist die Entwicklung des MAID-Tools (Mimeo Archive IDentification), ein ML-Tool zur Identifikation mimeographierter Dokumente anhand visueller Merkmale, wie Tintenverlauf, Schablonenfehler oder mechanische Spuren. Dieser visuelle Zugang ergänzt klassische Archivpraktiken, die meist auf Metadaten oder Texterkennung beruhen, und ermöglicht eine präzisere Katalogisierung bislang übersehener Bestände. Ergänzend dazu nutzt das Projekt Reenactment als forschungsbasierte Methode, um das implizite, oft verkörperte Wissen rund um historische Vervielfältigungspraktiken zugänglich zu machen. Durch die wissenschaftlich-künstlerische Auseinandersetzung mit Originalgeräten, Schablonen und Tinten werden sinnlich-prozedurale Aspekte der Mediennutzung nachvollzogen. Diese Erkenntnisse fließen in Konservierungsrichtlinien ein, die auf die materiellen Eigenschaften mimeographierter Dokumente zugeschnitten sind.

Alle Ergebnisse werden auf der Open-Access Online Plattform MAPP (Mimeo Archaeology Project Platform) zugänglich gemacht. Diese vereint das MAID Tool, Konservierungsrichtlinien, Reenactment-Dokumentation und Materialien zum historischen Kontext der Technik. Sie richtet sich an Archivar:innen, Forscher:innen und Künstler:innen, die sich mit technischen und kulturellen Aspekten der Mimeographie auseinandersetzen.

Mit wissenschaftlichen Publikationen, Workshops und einem öffentlichen Symposium fördert das Projekt interdisziplinären Austausch und leistet einen internationalen Beitrag zur Debatte über den Erhalt analoger, marginalisierter Medientechniken. Darüber hinaus leistet es einen innovativen Beitrag und zeigt auf wie Medienarchäologie, Heritage Science und ML gemeinsam neue Perspektiven für archivische Praxis und kulturelle Erinnerung eröffnen können.