Von der Kunst des Verschwindens und dem Drang zu bewahren
FWF | PEEK
geleitet von Paul Julien Anxionnaz Robert, Institut für bildende Kunst
Projektlaufzeit: 1.5.2026 – 30.4.2029
Asche ist in unserem Kulturraum ein überdeterminierter Stoff. Sie hängt mit Trauer zusammen, aber auch damit, dass bei allem Vergehen von Dingen immer noch ein Rest bleibt – was Asche mit dem Archiv verknüpft.
Auf das konkrete Projekt bezogen: Die Aschebilder sind Otto Mühls gewaltvolle Aneignung und Vernichtung der persönlichen Schriften der ehemaligen Kommunard_innen vom Friedrichshof. Aus Angst, dass darin belastende Dinge gegen ihn stehen, griff Mühl in die Selbstarchivierung vernichtend ein. Zunächst galt es alles aufzunehmen, zu sammeln, festzuhalten aus 20 Jahren "Kommune"/Sekten-Geschichte. Aber nur dass, was in seine Geschichtsschreibung passte. Alles andere musste vernichtet werden. Weil aber nichts gänzlich vernichtet werden kann, hat Mühl sich die Asche für seine "Kunst" angeeignet.
In unserem Bemühen, das Archiv/die Sammlung am Friedrichshof für wissenschaftliche Forschung zugänglich zu machen, wollen wir genau das Gegenteil: Keine Aneignung, sondern Öffnung für viele Perspektiven. Aber dieser Wunsch ist umstritten. Wirkt bedrohlich. So bedrohlich, dass manche vielleicht alles lieber in Flammen aufgehen sehen würden. Ein Feuer macht, dass die Überbleibsel fast unkenntlich werden. Was gibt es dann noch zu archivieren?
In einem Forschungslabor werden ehemalige Mitglieder eingeladen, das zu teilen, was im offiziellen Archiv keinen Platz gefunden hat: verschwiegene Erinnerungen, tabuisierte Erfahrungen, Geschichten, die verdrängt wurden oder die aufgeschrieben, aber vernichtet worden sind. Daraus entstehen Gedächtniskapseln – Audio, Video, Begegnung, Gegenwartsperspektive.