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REPORT / RETOUR von Clemens Krümmel

Datum
Uhrzeit
Termin Label
Vortrag
Organisationseinheiten
Bildende Kunst
Ort, Adresse (1)
Schillerplatz 3
Ort, PLZ und/oder Ort (1)
1010 Wien
Ort, Raum (1)
Anatomiesaal

Ein Vortrag von Clemens Krümmel, organisiert vom  Fachbereich Kunst und Bild I Grafik gemeinsam mit Prof. Sabeth Buchmann.

Zum Porträtieren in grafischer Berichterstattung

Was seit vielen Jahrzehnten und was heute als „grafische Berichterstattung“ oder „Reportagezeichnung“ praktiziert wird, ist meist eine einseitige Tätigkeit. Die berichtenden Künstler:innen produzieren auf der Basis lokaler Recherche Handzeichnungen, die über einen Prozess manchmal selbst organisierter medialer Verbreitung eine betont subjektive, „humanisierte“ Antwort auf hochtechnisierte Berichterstattungen im Print- und Digitalbereich bieten wollen. Einseitig ist diese Methode der oft als „alternativ“ formulierten Berichte, weil sie oft narrativierte Fakten aus einer mehr oder weniger erkennbar kolonialistischen Perspektive Bilder und Kommentare aus weit vom „Westen“ entfernten Regionen einsammelt und in die Ausgangsländer der wirtschaftlichen „Erschließung“ „re-portiert“, sie zurückträgt und nutzt.

In meinem Vortrag interessieren mich aus der riesigen Menge künstlerischer Beispiele diejenigen Praktiken, die sich dieser Vorgeschichte bewusst sind. Zu meinen Beispielen werde ich Reportagen u.a. von Joe Sacco, Susan Turcot, George Butler, Victoria Lomasko, Sarah Glidden und Molly Crabapple vorstellen. Dabei werde ich mich auf ein spezifisches Merkmal ihrer Berichte konzentrieren: Sie alle machen in ihrer künstlerischen Arbeit Gebrauch von Interviewtechniken. Im Zentrum steht die künstlerische Rekonstruktion des investigativen Porträts, bei dem die Künstler:innen die Situation aus dem potentiell als unangenehm oder „verhörhaft“ Empfundenen herauslösen und ihre Erkundungsgespräche in einem begrenzten Rahmen führen, bei dem sie von den befragten Personen neutrale oder würdigende Porträts anfertigen – und diese Porträts in vielen Fällen als „Retour“ der Reportage den Porträtierten übergeben. Sie selbst nehmen in den letztgenannten Fällen nur ein Foto des Porträts mit. Andere Teile der gezeichneten Berichterstattung werden davon nicht berührt. Diesen Aspekt möchte ich vor dem Hintergrund der Rolle von Zeichnung im historischen ethnografischen Kontext diskutieren.

Clemens Krümmel, *1964, lebt und arbeitet in Berlin und Zürich. Er ist Kunsthistoriker, freier Kurator, Autor und Übersetzer. Er war Mitherausgeber und Redakteur der Berliner Zeitschrift Texte zur Kunst (2000–2006), Mitgründer des Melton Prior Instituts für Reportagezeichnung, Düsseldorf (mit Alexander Roob) und ist Mitherausgeber der Buchreihe „Polypen“, b_books Verlag, Berlin (mit Sabeth Buchmann, Helmut Draxler und Susanne Leeb).