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Weggestaltung. Zum Umgang mit problematischen Ehrenmälern

Datum
Uhrzeit
Termin Label
Konferenz
Organisationseinheiten
Kunst- und Kulturwissenschaften
Ort, Adresse (1)
Schillerplatz 3
Ort, PLZ und/oder Ort (1)
1010 Wien
Ort, Raum (1)
Sitzungssaal

Konferenzsprachen: Englisch und Deutsch

Die Konferenz wird organisiert von Eduard Freudmann, Jakob Krameritsch und Ruth Sonderegger.

Wie umgehen mit problematischen Denkmälern und Ehrenmälern? Wenn sich die politische Notwendigkeit zur Veränderung geschichtspolitischer Manifestationen zeigt, wird gern die Kunst zu Hilfe geholt. Ihr wird dabei eine hohe Problemlösungskompetenz zugeschrieben, bei gleichzeitig stark eingeschränktem Handlungsspielraum. Hoffnung wird in Konzepte wie “künstlerische Kontextualisierung” und “künstlerische Umgestaltung” gesetzt. Dabei geht es oft um eine Abgrenzung von Forderungen nach Entfernung von Denkmälern, die mit dem Vorwurf der denkmalstürmerischen Geschichtsauslöschung zum Kulturbruch stilisiert werden. Im Eifer des Gefechts bleibt häufig weder Zeit dafür, die beiden höchst unterschiedlichen Zugänge der Kontextualisierung und der Umgestaltung zu differenzieren, noch dafür, Entfernungen als gestalterischen Prozess ernst zu nehmen.

In diesem Sinn wurde der Begriff der “Weggestaltung” 2020 von der österreichischen Autorin Marlene Streeruwitz rund um die Diskussionen um das Lueger-Ehrenmal in Wien in den Diskurs eingeführt. Er hinterfragt den Status der Unantastbarkeit problematischer Denk- und Ehrenmäler und versucht, weitere gestalterische Wege neben bestehenden Konzepten der Kontextualisierung und Umgestaltung zu eröffnen. 

Im November 2025 wurde ein in der Aula der Akademie der bildenden Künste Wien stehender „Jüngling in Bronze“ weggestaltet.[1]  Er war Teil des „Heldendenkmals für die gefallenen Kunstakademiker“. Seiner Weggestaltung gingen langjährige Diskussionen und künstlerische Interventionen voraus. Ihnen war gemeinsam, dass sie sich mit Möglichkeiten des zeitgenössischen Umgangs mit problematischen geschichtspolitischen Manifestationen beschäftigten. Ausgehend von diesen Debatten, die sich um Autor_innenenschaft, soziale Funktionen und Rezeptionsgeschichte sowie die Ästhetik und den Bedeutungsgehalt des Denkmals drehten, sollen im Rahmen der Tagung weitere Beispiele thematisiert und in Bezug zum Begriff der „Weggestaltung“ gesetzt werden.

Programm

15 h: Begrüßung: Ruth Sonderegger

15:15 h: Marlene Streeruwitz: Dieser Augenblick in der Zeit

15:45 h: 
Eduard Freudmann, Martina Genetti: Kontextualisierung, Umgestaltung, Weggestaltung: Versuch einer Einordnung

16:15 h: Urte Evert: Lenin’s Head and Hitler’s Horses. Collecting and displaying controversial Monuments in a Museum

17 h: Tim Cole: Talking with the city about Colston

17:45 h: Pause

18 h:  Abschlusspanel mit Deborah Benjamin Kaufmann, Simon Nagy,  Tanja Schult (angefragt), Moderation: Alina Strmljan

19:30 h: Abendessen

Abstracts

Marlene Streeruwitz: Dieser Augenblick in der Zeit

Auch unser Augenblick gerade in all den Kriegen und Krisen wird in die Zeit verschmelzen und Vergangenheit geworden sein. Aber. Lassen Sie uns in diesem Augenblick innehalten und an Hand des Motivs des Denkmals überlegen, in welcher Form die Macht sich in die Welt eingetragen hat und eine demokratische Kultur verhindert hat, bevor wir von den Kriegen und Krisen gezwungen, mit der Politik des Ressourcenmangels beschäftigt sind. 

Eduard Freudmann und Martina Genetti: Kontextualisierung, Umgestaltung, Weggestaltung: Versuch einer Einordnung 

Der Vortrag beleuchtet den Umgang mit problematischen Ehren- und Denkmälern, insbesondere gängiger Strategien wie Kontextualisierung, Umgestaltung und Weggestaltung. Anhand konkreter Beispiele – etwa an der Akademie der bildenden Künste Wien – wird der Versuch einer Einordnung dieser drei Zugänge unternommen, um ihre jeweiligen Potenziale und Grenzen zu reflektieren.

Urte Evert: Lenin’s Head and Hitler’s Horses. Collecting and displaying controversial Monuments in a Museum

The museum „Unveiled: Berlin and its Monuments“ houses monuments that are no longer welcome in public spaces. These objects tell the story of the political upheavals in Germany, particularly during the 20th century. Since 2020, the focus has been on the permanent exhibition and its extension as a “simple” solution for problematic monuments – with regular new additions reflecting the ongoing debate surrounding the culture of remembrance.

Tim Cole: Talking with the city about Colston

After the toppling of the Colston statue in June 2020, the city of Bristol embarked on a lengthy process of consultation about what to do with the graffitied statue and empty plinth. This talk discusses this process and what was learnt from undertaking it both about how people think about contested heritage as well as ways of negotiating contested heritage in contemporary democracies.

Biografien

Tim Cole is Professor of Social History at the University of Bristol in the UK. His research ranges across social, cultural, spatial and environmental histories, specifically of the Holocaust and its aftermath, as well as working in the digital humanities and interdisciplinary and co-produced research. Tim was invited to chair the History Commission set up by the mayor of Bristol in the aftermath of the toppling of the Colston statue.

Urte Evert is Director of the Historical Museums at Spandau Citadel, Berlin. Her research focuses on everyday culture in military history and the history of objects, the history of fortifications, and the culture of remembrance. In particular, the handling of unwanted and toppled monuments, as well as ‘toxic’ art in public spaces, has become a central focus of her museum education work and her academic research.

Eduard Freudmann arbeitet als Künstler zu kritischer Erinnerungskultur im öffentlichen Raum. Er war Teil der Künstler_innengruppe Schandwache und des Kollektivs Plattform Geschichtspolitik. Er lehrt und forscht an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Martina Genetti ist Kunsthistorikerin und beschäftigt sich mit künstlerischen Interventionen in Denkmälern, insbesondere mit Kritik und Konflikt in der Geschichte und Gegenwart des Lueger-Denkmals. Sie arbeitet in der Sammlung zeitgenössische Kunst des Wien Museums. 

Simon Nagy arbeitet im Kontext verschiedener Kollektive in der Kunst-, Text- und kritischen Wissensproduktion in Wien. Er ist Vorstandsmitglied des Büros für Kunstvermittlung trafo.K, Teil der Künstler_innengruppe Schandwache und realisiert gemeinsam mit Rosa Andraschek antifaschistisch-künstlerische Gedenkprojekte im ländlichen Raum. Sein Essay „Zeit abschaffen“ erschien 2024 im Unrast Verlag.

Ruth Sonderegger lehrt im Bereich “Philosophie und ästhetische Theorie” an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Marlene Streeruwitz ist eine österreichische Schriftstellerin und Dramatikerin, die sich mit feministischen Themen, Machtstrukturen und gesellschaftlichen Verfasstheiten kritisch auseinandersetzt. 

Alina Strmljan ist Museologin, Kuratorin und Ausstellungsproduzentin. Mit Schwerpunkt auf Museumsgeschichte und Inklusion arbeitet sie zu den Verflechtungen von Wissenschaft, zeitgenössischer Kunst und Erinnerungskultur.