Arts, cultural heritage and practices of solidarity: British Sikh response to the Indian farmers’ protest (2020-2021)
Ein Vortrag von Dr Clelia Clini, organisiert von Noit Banai, Professor of Diaspora Aesthetics, Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften.
Dieser Vortrag untersucht die künstlerischen Beiträge der britischen Sikh-Diaspora zu den Protesten indischer Bauern in den Jahren 2020/21. Im Fokus steht dabei insbesondere das Verhältnis von Kunst, Aktivismus und Identitätspolitik im Kontext der Diaspora. Während sich an den Protesten – einer der größten Mobilisierungen in der Geschichte des unabhängigen Indiens – Bauern aus mehreren Bundesstaaten beteiligten, spielten Sikh-Bauern aus Punjab und Haryana eine herausragende Rolle und lösten eine starke Resonanz unter Sikhs im Ausland aus. In Großbritannien organisierten und/oder beteiligten sich verschiedene Sikh-Gruppen an Kundgebungen, Spendenaktionen und kreativen Aktionen (z. B. Online-Musikveranstaltungen) zur Unterstützung der indischen Bauern. Zahlreiche Künstler trugen ebenfalls zu diesem Anliegen bei, indem sie Originalkunstwerke schufen, die häufig zentrale Sikh-Werte sowie prägende Momente der Unterdrückung und des Widerstands in der (post)kolonialen Geschichte Indiens, insbesondere Punjabs, thematisierten. Diese Aspekte sind Kernbestandteile der kollektiven Erinnerung und Identität der Gemeinschaft.
Anhand einer Auswahl von Kunstwerken britischer Sikh-Künstler und unter Einbeziehung von Interviews mit Künstlern und Aktivisten in Großbritannien untersuche ich die Verflechtung von Erinnerungssystemen, immateriellem Kulturerbe, Kreativität und Protest sowie deren Einfluss auf die Vorstellungskraft der britischen Sikh-Diaspora. In Anlehnung an Rushdies These, dass „die Neubeschreibung der Welt der notwendige Schritt zu ihrer Veränderung ist“ (1992), argumentiere ich, dass diese künstlerischen Praktiken in die emotionale Beziehung zu einer (imaginierten) Heimat eingreifen und gleichzeitig neue Räume und Praktiken der Vorstellungskraft, Solidarität und kollektiven Handlungsfähigkeit eröffnen. Diese Forschung wird durch ein Kleinstipendium der British Academy/Leverhulme für die Jahre 2023–2024 gefördert.