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poodle orange bin ich aufgewacht

Datum
Uhrzeit
Termin Label
Eröffnung
Organisationseinheiten
xhibit
Ortsbeschreibung
Akbild Forum, Getreidemarkt 12/3, 1010 Wien

Akbild Forum bietet ab Oktober 2020 in mehrfacher Hinsicht eine neue Plattform für das Ausstellungswesens der Akademie. Lokalisiert am Getreidemarkt 12 soll der neue Raum Ort der Diskussion über die nebenan präsentierten Ausstellungen bieten sowie den Rahmen für Veranstaltungen, die sich mit ausstellungstheoretische wie -praktischen Fragen auseinandersetzen.

Beim Projekt von Cosima Baum, Florian Hofer, Fabian Puttinger und Michael Reindel – Studierende der Architektur, des Bühnenbildes und der Skulptur – speist sich die Gesamtgestaltung aus spezifischen, mit Geschichten aufgeladenen Gestaltungsmomenten und Inventarstücken der Akademie selbst und lässt so neue Konstellationen und (Gesprächs)räume an der Schnittstelle zwischen Universität und Öffentlichkeit entstehen.

Bereits in den 1960er-Jahren sprach Jean Baudrillard von einer „Sprache der Dinge“ und nahm damit Gedanken vorweg, die heute in der sogenannten „Dingtheorie“ als selbstverständlich verhandelt werden: die Welt der Gegenstände, die uns umgibt, ist nicht ein Sammelsurium neutraler „Objekte“, sondern vielmehr immer schon durchdrungen von spezifischen Subjekt-Objekt-Beziehungen. Oder wie es Bill Brown in A Sense of Things (2014) formulierte: „Während sie durch unser Leben zirkulieren, schauen wir durch die Objekte hindurch (um zu sehen, was sie über Geschichte, Gesellschaft, Natur oder Kultur preisgeben ­– vor allem aber, was sie über uns preisgeben).“

Bild aus der Inventardatenbank der Akademie
Bild aus der Inventardatenbank der Akademie © Akademie der bildenden Künste Wien

Cosima Baum, Florian Hofer, Fabian Puttinger und Michael Reindel – vier (ehemalige) Studierende der Akademie der bildenden Künste Wien – begeben sich in ihrem Projekt poodle orange bin ich aufgewacht auf die Spur dieser Sprache der Dinge auf institutioneller Ebene. In einer intensiven Recherche machten sie sich auf die Suche nach jenen Geschichten, welches Sitzmöbel oder anderes Inventar der Akademie über die Institution selbst erzählen. Seien es Sonderwünsche von Lehrenden, Einzelstücke gefertigt von Studierenden, Funktionsobjekte, Liebhaberstücke, reine Dekorationsobjekte oder Provisorien. Das untersuchte Spektrum umfasst so unterschiedliche Objekte wie die korrealistischen Instrumente (Entwurf: Friedrich Kiesler) im Büro des Instituts für Kunst und Architektur, die Bildhauer- und Aktzeichenkisten der Akademie, den knallorangen Barfuss-Teppich der ehemaligen Rektorin Eva Blimlinger mit dem Typennamen Poodle Orange, bis hin zum Marketing-Instrument einer Sommerliege mit Akademie-Logo. Viele dieser Objekte und Sitzgelegenheiten treten nun über die Dauer von rund einem Jahr im Rahmen der künstlerischen Gestaltung des Akbild Forum am Getreidemarkt 12 in wechselnde Konstellationen. Ebenso wie die Collagen, die als Teil der Gesamtgestaltung den Rechercheprozess dokumentieren und assoziativ weiterführen, laden sie die Besucher_innen dazu ein, die Institution der Akademie, prägende Momente ihrer Geschichte und spezifische Charakteristika ihres Selbstverständnisses in der Auseinandersetzung und Nutzung ihrer Inventargegenstände selbst zu erkunden.

Foto mit Stühlen und Skulptur aus der Inventardatenbank mit orangen Teppichfasern bestreut
Collage mit Bild aus der Inventardatenbank der Akademie © Akademie der bildenden Künste Wien

Im Zentrum steht hierbei nicht zuletzt ein mehrbändiger Katalog, der umfassenden Einblick in die Inventardatenbank der Akademie gibt. Im Durchblättern durch dieses materialisierte Archiv an Bildern wird ein zentraler Aspekt offensichtlich: indem das Inventar der Akademie für die jeweiligen Anforderungen einer Kunstuniversität „nutzbar“ gemacht wird, werden die Grenzen zwischen Gebrauchsgegenstand und künstlerischem Objekt oft durchlässig. Mit den ausgewählten Inventargegenständen und dem Datenbankkatalog begegnen sich im Akbild Forum somit eine Sammlung von Gestaltungsmomenten, welche die Akademie charakterisieren und sich nun für ein Jahr räumlich kristallisieren.

Cosima Baum , geboren 1993 in Hamburg, ist seit 2014 in der Klasse für Bühnengestaltung an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Zuvor ein einsemestriges, abgebrochenes Studium der Dramaturgie in Leipzig. In ihrer künstlerischen Praxis arbeitet sie textbezogen, assoziativ, gut recherchiert, raumgreifend, theoretisch, physisch und versteckt. Neuerdings mit Schaufenster, als Sitzhaltungserproberin und Archivarin.

Michael Reindel, geboren 1993, lebt und arbeitet in Wien und studiert derzeit Textuelle Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien. Um skulpturale Elemente seiner Arbeit mit einem gegeben narrativ zusammenzuführen, werden diese Konstrukte immer wieder transformiert und in verschiedene Medien übersetzt. Einzelne Arbeiten werden dadurch Teil eines Netzwerks aus Beziehungen und Geschichten. Viele seiner Arbeiten entstehen im Rahmen des Kollektivs "Profi Reality", gemeinsam mit Selina Lampe und Valentin Hessler.

Florian Hofer, geboren 1993 in Linz, studiert derzeit Textuelle Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien. In seinen Arbeiten steht der menschliche Körper, als Begegnungsort von inneren und äußeren Einflüssen im Zentrum. Im Kontakt mit Materialien und Räumen entstehen flüchtige Konstruktionen wie Anwesenheit und Sinnlichkeit.

Fabian Puttinger, geboren 1992, arbeitet als Architekt in Wien. Er studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien. Zurzeit beschäftigt er sich mit sozialem Wohnungsbau und bevorzugt mit Wahrnehmungsthemen und sozio-kulturellen Auswirkungen der gebauten Umwelt.