Lilli Lička: reale/non reale – methods of civil landscape engagement for Westbahnpark
Vortrag von Lilli Lička (Wien) im Rahmen der IKA Lecture Series Summer 2026: Hands on — Urban Landscape Practices II kuratiert von Thilo Folkerts und Christina Condak.
reale/non reale – methods of civil landscape engagement for Westbahnpark
Ein Experiment in der Praxis, das eine utopische Idee strategisch weiterentwickelt, um gängige Planungsprozesse in Frage zu stellen: Der Westbahnpark verkörpert die Vision eines linearen Parks im dicht bebauten Wiener Gründerzeitviertel. Im 15. Bezirk der Stadt Wien finden wir eine Reihe von Superlativen: Er ist der am dichtesten besiedelte und zugleich ärmste Bezirk, der jüngste und der am wenigsten grüne, und er beherbergt die größte Anzahl an Einwohnern mit Migrationshintergrund. Zudem wird er durch eine Bahnstrecke – die ehemalige Kaiserin-Elisabeth-Bahn – geteilt, die zum heutigen Westbahnhof führt. Diese Bahnstrecke ist der Auslöser für die Vision eines Parks, da sie eine außergewöhnliche Stadtlandschaft mit offensichtlichen räumlichen Qualitäten geschaffen hat: Sie bietet einen geraden Blick aus der bebauten Stadt hinaus in den Wienerwald, eine geschützte Landschaft aus bewaldeten Hügeln im Westen, sowie einen Blick in den Barockpark des Schlosses Schönbrunn. In diesem dicht bebauten Stadtteil ist ein Ausblick ein aufregendes Erlebnis, ebenso wie ein schmaler und gerader Landstreifen von mehr als einem Kilometer Länge.
Das Planungssystem in Wien schwankt ständig zwischen Restriktion und Bevormundung. Es sorgt zwar nachweislich für eine lebenswerte Stadt, lässt jedoch außergewöhnliche Initiativen außer Acht. Das Experiment Westbahnpark startete 2018 auf der Grundlage dieser Beobachtung mit dem Ziel, die eigenen fantastischen Ideen der Menschen für eine mögliche Utopie anzuregen.
„BLA. – office of droll concerns“, eine performative Gruppe bestehend aus einem Landschaftsarchitekten, einem Künstler und einem Architekten, entwarf eine Zukunft für dieses Gebiet, die faszinierend, einfallsreich und unterhaltsam war. Dies klingt nach dem ersten Schritt einer gewöhnlichen Landschaftsplanung, bei der eine mögliche Zukunft auf eine Landschaft (oder vielmehr auf ein Blatt Papier) projiziert wird. In diesem Fall lag die Erfindung jedoch nicht auf Seiten der Designer, die bewusst darauf verzichteten, Entwürfe, realistische Renderings oder andere professionelle Bildmaterialien zu präsentieren. Auf einer Reihe von Streifzügen, sogenannten Visionary Walks, in die Zukunft wurden Interessierte durch das Gelände geführt und über Kopfhörer darüber informiert, wie es in den Park verwandelt wurde, wie sich die Planungspolitik entwickelt hat und welche Erfindungen zum Einsatz kamen. Die Fantasie der Besucher wurde durch Schauspieler in Badeanzügen vor den Depotgebäuden, Lesende auf der steilen Wiese und Passanten, die Seifenblasen bliesen, angeregt. Der Westbahnpark ist ein fortlaufender Prozess. Lassen Sie uns untersuchen, ob und wie diese Art, Grenzen zu verschieben, geeignet ist, eine Vision in die Tat umzusetzen.
Lilli Lička ist Landschaftsarchitektin, Wissenschaftlerin und Aktivistin. Von 1991 bis 2016 war sie Partnerin bei koselička, Landschaftsarchitektur mit Ursula Kose, leitete von 2003 bis 2025 das Institut für Landschaftsarchitektur an der BOKU, war Mitbegründerin von nextland, der Sammlung zeitgenössischer Landschaftsarchitektur in Österreich, und von LArchiv, dem Archiv für österreichische Landschaftsarchitektur, kuratierte L-x, eine internationale Vortragsreihe, und ist Gründungsmitglied der performativen Aktivistengruppen BLA, Büro für lustige Angelegenheiten (2012–2018) mit Hannes Gröblacher und Karoline Seywald, die sich performativ mit sozialen Manifestationen im öffentlichen Raum auseinandersetzten; westbahnpark.live, seit 2018, einer Aktivistengruppe, die mit visionären Methoden für einen Park in der bebauten Stadt Wien eintritt, und zuletzt WOOPS, Working on Outrageous Public Spaces, ein performatives Künstlerkollektiv mit Hannes Gröblacher und Mira Samonig, das im Rahmen des europäischen Projekts SITPLU (Situated practices in the pluriverse) während einer einjährigen Residenz in Bozen mit lungomare kollaborative Aktionen im öffentlichen Raum entwickelt. Ihre Arbeit verbindet Design, Forschung und öffentlichen Diskurs.
Teil der IKA Lecture Series Summer 2026: Hands on — Urban Landscape Practices II kuratiert von Thilo Folkerts und Christina Condak.
Weitere Vorträge:
8.6.2026: Krater, Ljubljana: Krater Model: Toward Urban Ecological Regeneration through Culture