Krater Collective: Krater Model – Toward Urban Ecological Regeneration through Culture
Vortrag vom Krater Collective im Rahmen der IKA Lecture Series Summer 2026: Hands on — Urban Landscape Practices II kuratiert von Thilo Folkerts und Christina Condak.
Krater Model: Toward Urban Ecological Regeneration through Culture
Das Projekt „Krater Model“ untersucht eine Reihe von Prinzipien, die die kreative Arbeit mit übersehenen Räumen urbaner Natur prägen. Diese Prinzipien, die auf der Arbeit des Krater-Kollektivs basieren – das die Trennung zwischen Kultur und Natur überwindet –, spiegeln das in den letzten fünf Jahren entwickelte Wissen und die Methoden wider und eröffnen neue Wege, sich die Zukunft der Stadt vorzustellen: von Kartografien zukünftiger Städte, Darstellungssystemen und der Kuratierung des Ungezähmten bis hin zur „Feral Stewardship“ für das Post-Anthropozän, regenerativen Materialkulturen und Gemeinschaftsökonomien bis hin zur langfristigen fotografischen Dokumentation als Mittel zur Artikulation unsichtbarer Räume und zur Archivierung der oft unsichtbaren Arbeit von artenübergreifenden Gemeinschaften und ökologischen Prozessen.
Ausgehend von Krater-Projekten wie „Crafting Biodiversity“, „Multispecies Typologies“, „Feral Palace“, „Forbidden Vernaculars“, „Notweed Paper“ und „Feral Occupations: Our Labor is Our Infrastructure! werden in dem Vortrag praktische Fertigkeiten, Gestaltungsstrategien und theoretische Überlegungen vorgestellt, die sich mit immanenten Fragen zum rechtlichen Status der städtischen Natur in der Raumplanung, zur Beteiligung der Gemeinschaft an der Gestaltung von Programmen, zur Nutzung und Pflege öffentlicher Grünflächen sowie zur Rolle der Kultur in Prozessen der ökologischen Regeneration befassen.
Das Krater Collective (2020–) besteht aus transdisziplinären Enthusiasten, die bewusst berufliche Rollen, Ateliers und Arbeitsbedingungen neu definieren, um als Hüter eines renaturierten Ökosystems in einer noch nicht bebauten Baugrube in Ljubljana zu fungieren. Die nicht registrierte städtische Natur, die sich im Besitz des Justizministeriums befindet und für einen künftigen Justizpalast vorgesehen ist, ist ständig von der Auslöschung bedroht. Am Rande des Aussterbens arbeitend, kultiviert das Kollektiv kreative Resilienz durch wilde Taktiken, öffentliche Programme, rechtliche Verhandlungen und materielle Experimente, wobei es administrative und andere Einschränkungen als Material für künstlerische Interventionen behandelt. Gerade die Unzulänglichkeit der spontanen Natur im Konfrontationsprozess mit Repräsentationssystemen (Kartografien, Vokabulare, Raumpläne), der Institutionalisierung von Wissen (Lehrpläne, Professionalisierung, wissenschaftliche Autorität) und mit Denkmalschutzregimen (Erhaltungsprinzipien, Archive, Instandhaltung) prägt die Formate und den Fokus unserer Arbeit. Krater stützt sich auf die Autonomie der Kunst. Durch die Kunst – insbesondere im Angesicht des Unmöglichen – nimmt die wilde Praxis Gestalt an gegen Hierarchien struktureller Ungerechtigkeit und vererbter Ausbeutungsregime.
Gastredner_innen in Wien sind Gaja Mežnarić Osole, Danica Sretenović, Andrej Koruza, Amadeja Smrekar und Klara Maček.