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Gender & Space //Hannah Antema: telling sparrows of nightshade - A Sound Installation on Disability, Time, and Space

Datum
Termin Label
Multimedia Installation
Organisationseinheiten
Kunst und Architektur
Ortsbeschreibung
Schillerplatz 3
1010 Wien
Hof

Zu den Öffnungszeiten des Rundgangs 2026

Eine klangbasierte Installation, die auf Ausruhen und Zuhören ausgerichtet ist. Gesprochene Reflexionen und Gedichte aus der gelebten Erfahrung von Behinderung und chronischer Krankheit formen ein akustisches Feld, in dem Raum, Zeit und Wahrnehmung erspürt, verhandelt und ausgehalten werden.

telling sparrows of nightshade - A Sound Installation on Disability, Time, and Space

Moderne Architektur ist tief mit Krankheit und Behinderung verstrickt. Von hygienistischen Stadtplanungen über psychiatrische Institutionen bis hin zu alltäglichen Wohnräumen fungiert sie als stiller medizinischer Apparat: Sie misst, reguliert und normalisiert Körper. Was als Fortschritt gerahmt wird, beruht seit jeher auf der Auslöschung von Fragilität. Krankheit und Behinderung gelten als Störungen, die verwaltet oder absorbiert werden müssen – nicht als Bedingungen, die Wissen hervorbringen. Standardisierung verspricht Klarheit und hinterlässt ein Echo, in dem viele räumliche Erfahrungen ungehört bleiben.

Von dieser Spannung aus setzt das Projekt an. Es begreift Krankheit und Behinderung nicht als Defizite, sondern als epistemische Positionen, von denen aus architektonische Annahmen über Zeit, Wahrnehmung und Funktionalität lesbar werden. Im Zentrum steht eine verschobene Zeitlichkeit: eine Zeit, die sich ansammelt, stockt und zerfällt – eine Zeit, die durch Verlangsamung, Wiederholung und Unterbrechung gelebt wird. Wenn Zeit nicht länger mit normativen Rhythmen übereinstimmt, gerät auch Raum ins Wanken.

Die Installation entfaltet sich als klangbasierte Situation, die auf Ausruhen und Zuhören ausgerichtet ist. Ihr Klangmaterial entsteht aus gesprochenen Reflexionen und Gedichten, die aus der gelebten räumlichen Erfahrung von Behinderung und chronischer Krankheit heraus artikuliert sind und davon berichten, wie Raum wahrgenommen, navigiert, widerständig erlebt oder ausgehalten wird. Sprache löst sich aus ihrer beschreibenden Funktion und wird zu Rhythmus, Zögern, Atem. Aus diesen Schichten entsteht ein räumliches Alphabet – kein Ordnungssystem, sondern eine Sammlung klanglicher Gesten, die in verkörperter Erfahrung gründen. Der Körper wird dabei nicht als neutraler Nutzer adressiert, sondern als verletzlich, abhängig und unterschiedlich gestimmt vorausgesetzt.

Das Projekt ist in eine umfassendere theoretische Auseinandersetzung mit Architektur als biopolitischem Dispositiv eingebettet, die nachzeichnet, wie Normen von Gesundheit, Produktivität und körperlicher Kohärenz in den Raum sedimentiert wurden. Aus dieser Recherche gehen Schreiben und Installation als parallele Gesten hervor – die eine analytisch, die andere erfahrungsbasiert –, die einander informieren, ohne in einer einzigen Form aufzugehen.

Was wird möglich, wenn Raum nicht länger vom Standpunkt des funktionalen, autonomen Körpers aus gedacht wird, sondern von Körpern, die ermüden, abhängig sind und aus dem Takt geraten? Und wie könnte sich Architektur verändern, wenn Zuhören, Ausruhen und zeitliche Dissonanz nicht als Ausnahmen, sondern als räumliche Grundlagen verstanden werden?

Recherche und Installation Hannah Antema

Texte Billie Jamie Söntgen, Laura Arena, Luca Kosina, Dylan McNulty-Holmes, Lo Moran, Moira Heuer, Noël Labridy and Hannah Antema