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Clay Commons – Unearthing Urban Grounds

Ein Reiseprojekt der Werkstatt für Abform- und Gusstechniken
Bangkok, 9. bis 19. Februar 2026

Im Februar 2026 reisten Lilith Matthews und Kristin Weissenberger gemeinsam mit vier Studierenden des Instituts für bildende Kunst im Rahmen eines Erasmus+ International Credit Mobility Projekts nach Bangkok. Der Austausch baut auf einem Kontakt auf, der im Zuge einer Residency von Kristin Weissenberger im Jahr 2024 in Bangkok entstanden ist.

Begleitet wurde die Reise zudem von Angelina Kratschanova, Leiterin des International Office I Global Engagement. Im Rahmen des Aufenthalts führte sie Gespräche zur weiteren institutionellen Zusammenarbeit und Vertiefung der Kooperation mit der Chulalongkorn University.

In Kooperation mit dem Department of Industrial Design, Faculty of Architecture, Chulalongkorn University arbeiteten Studierende und Lehrende beider Institutionen an dem Projekt Clay Commons – Unearthing Urban Grounds. Vor Ort wird das noch laufende Projekt in enger Zusammenarbeit mit Pim Sudhikam, Raksit Panyalertlakana und Praewa Pedsuwan durchgeführt.

Der Aufenthalt begann mit einer Einladung zur Paneldiskussion „A Dialogue in Pedagogy and Philosophy in Design Education“, bei der Kristin Weissenberger und Lilith Matthews Lehransätze aus der bildenden Kunst mit einem Fokus auf experimentelle Formate im künstlerischen Handwerk präsentierten. Im Anschluss daran fand der Kick-off des Projekts statt, bei dem sich die Studierenden aus Wien und Bangkok erstmals begegneten.

Die ersten Tage waren geprägt von Präsentationen der Studierenden und Lehrenden, die Einblicke in ihre jeweiligen Arbeitsweisen gaben, um eine Grundlage für den weiteren Austausch zu schaffen. Parallel dazu wurden erste Fragestellungen zum Thema urbaner Ton vorgestellt und weiterentwickelt.

Ein wesentlicher Teil der Arbeit verlagerte sich in den Stadtraum. Bei einer Exkursion zu einer Baustelle im Zusammenhang mit einem zukünftigen U-Bahn Bau in Bangkok konnten Tonproben gesammelt werden. Die Baustelle war zugleich archäologisch relevant, da im Zuge der Grabungen Hinweise auf frühere Stadtstrukturen freigelegt wurden, darunter mutmaßliche Überreste historischer Stadtmauern. Die Proben unterschieden sich je nach Grabungstiefe deutlich in Farbe, Dichte und plastischen Eigenschaften und wurden im weiteren Verlauf gezielt dokumentiert und verglichen.

In der Werkstatt wurde parallel mit diesen Materialien gearbeitet. Ein zentrales Format war der Dreistofftest, bei dem Tonproben aus Bangkok mit aus Wien mitgebrachtem U-Bahn-Ton in unterschiedlichen Mischverhältnissen kombiniert wurden. Die daraus entstandenen Proben wurden geformt und gebrannt und anschließend gemeinsam hinsichtlich ihrer sichtbaren Eigenschaften ausgewertet.

Im Laufe der Woche organisierten sich die Studierenden in Arbeitsgruppen. Es bildeten sich unter anderem ein Filmteam unter Beteiligung von Karla Stindt, ein Materialteam zur Dokumentation der Tonproben, ein Diary Team zur Erfassung von Prozessen und Beobachtungen sowie ein Design Team zur technischen Umsetzung einer gemeinsam entwickelten keramischen Skulptur, die im weiteren Projektverlauf für die Ausstellung in Wien ausgearbeitet wird.

Ergänzend zur Werkstattarbeit fanden mehrere Exkursionen statt. Ein Besuch im Nationalmuseum bot Einblicke in die keramische Tradition Thailands, insbesondere in architektonische Elemente wie Dachziegel und keramische Dachornamente.

Eine weitere Exkursion führte nach Ratchaburi, eine etwa 80 Kilometer westlich von Bangkok gelegene Stadt mit einer langen Tradition keramischer Produktion. Dort besuchte die Gruppe die Tao Hong Tai Ceramics Factory sowie den Betrieb RS Pottery. Geführt wurde die Gruppe unter anderem von dem Künstler Wasinburi Supanichvoraparch, auch bekannt als Tew.

Von besonderer Bedeutung war die Besichtigung eines traditionellen Drachenofens bei RS Pottery. Dieser etwa 50 Meter lange Tunnelofen ist entlang eines Gefälles gebaut und wird über zahlreiche Öffnungen entlang seiner Oberseite befeuert. Die Keramiken werden im Inneren dicht geschichtet und der Ofen anschließend zugemauert. Durch die Befeuerung über die gesamte Länge entsteht eine kontinuierliche Hitzeverteilung im Ofenraum. Ein Brand dauert mehrere Tage und erfordert durchgehende Betreuung sowie Erfahrung im Umgang mit Temperatur und Luftzufuhr.

Neben den technischen Aspekten wurde auch die Organisation der Arbeit sichtbar. Die Herstellung erfolgt in großen Teilen in Handarbeit unter körperlich anspruchsvollen Bedingungen. In Gesprächen vor Ort wurde deutlich, dass ein Teil der Arbeitskräfte aus dem benachbarten Myanmar stammt und aufgrund der politischen Situation migriert ist. Gleichzeitig wurde mehrfach angesprochen, dass es zunehmend schwierig ist, Arbeitskräfte für diese Form der Produktion zu finden.

Zugleich produzieren viele der Betriebe für internationale Märkte, wodurch globale Produktionszusammenhänge unmittelbar erfahrbar wurden.

Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch des neu eröffneten Dib Bangkok, das zeitgenössische Positionen internationaler und thailändischer Künstlerinnen und Künstler zeigt.

Ein zentraler praktischer Teil des Projekts war der gemeinsame Bau eines sogenannten Paper Kiln, eines temporären Ofens aus feuerfestem Fundament und einer mit Tonschlicker getränkten Papierhülle. Nach dem Brand wurde diese Hülle geöffnet, um die entstandenen Keramiken freizulegen und gemeinsam zu besprechen.

Den Abschluss der gemeinsamen Arbeit bildete das Öffnen des Ofens und die Betrachtung der entstandenen Objekte, die im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Projekts reflektiert wurden.

Parallel zum Aufenthalt in Bangkok führten Lilith Matthews und Kristin Weissenberger weitere Recherchen in Lampang durch. Dort wurden unter anderem das Studio Earth & Fire sowie die Produktionsstätte Wald Pottery besucht. Diese Einblicke erweiterten die Perspektive auf keramische Praxis zwischen handwerklicher Arbeit und industrieller Produktion.

Darüber hinaus fand ein virtuelles Fachgespräch mit Heinz Reiter und der Rohstoffgeologin Barbara Träxler von der Geosphere Austria zum Thema karbonatarmer Tonvorkommen und urbaner Materialgeologien statt, organisiert mit Unterstützung von Friederike Hilgert.

Das Projekt bildet die Grundlage für eine weiterführende Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Institutionen. Die Ergebnisse werden im Oktober 2026 in einer gemeinsamen Ausstellung in Wien präsentiert.

Text von Kristin Weissenberger                                                                              

Disclaimer: Beim Verfassen des Textes wurde KI zur sprachlichen Verbesserung genutzt.