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Martius Revisited. Eine kollaborative Gegenarchivierung zwischen Brasilien und Deutschland

Datum
Uhrzeit
Termin Label
Projektvorstellung
Organisationseinheiten
Künstlerisches Lehramt
Ort, Adresse (1)
Schillerplatz 3
Ort, PLZ und/oder Ort (1)
1010 Wien
Ort, Raum (1)
Anatomiesaal

Projektvorstellung mit Frauke Zabel, Künstlerin, und Laura Kemmer, Stadtforscherin, und anschließendem Gespräch. Im Rahmen der Gender Studies Vorlesung von Elke Gaugele und Elke Krasny.

Die Brasilienreise der Naturwissenschaftler Carl Friedrich Philipp von Martius und Johann Baptist von Spix im 19. Jahrhundert hat Wissensordnungen hervorgebracht, die bis heute ökologische, kulturelle und politische Imaginationen zwischen Brasilien und Europa strukturieren. Martius Revisited nimmt dieses Erbe zum Ausgangspunkt, um Archiv, Sammlung und Forschung als historisch gewachsene Machtgefüge neu zu verhandeln.

In einem kollaborativen Dialog zwischen München und São Paulo erprobt Martius Revisited  eine Spurensuche im öffentlichen Raum, die künstlerische und forschende Methoden wie Stadtspaziergänge, Fabulieren und Mapping als Praktiken der Gegenarchivierung einsetzt. Die Methoden zielen auf die Öffnung von Räumen, um mittels Perspektivwechsel und Dialog Leerstellen, Auslassungen und epistemische Gewalt, die bis heute die Perspektive auf Naturen-Kulturen prägt, sichtbar zu machen.

Im Anschluss an eine Workshopserie und ein Symposium an der Universität São Paulo versammelt das Projekt Beiträge von Indigenen Autor:innen, Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Studierenden in einem Zine. Die Beiträge erzeugen ein vielstimmiges Gefüge, das sich gegen geschlossene Narrative richtet. Martius Revisited versteht sich als fortlaufende Praxis der Gegenarchivierung und offene Konstellation, dabei entwickelt das Projekt einen Ausblick auf Fragen von Healing und Reparation im Umgang mit kolonialen Sammlungen – aus dezidiert dekolonialen und feministischen Perspektiven.

Frauke Zabel ist Künstlerin und Kunstvermittlerin. Sie lehrt seit 2026 im Fachbereich Kunst und Gestaltung an der Kunstuniversität Linz. In Frauke Zabels Praxis gehen künstlerische Forschung, mediale Transferprozesse, Vermittlung und öffentliche Erscheinungsform Hand in Hand. Sie richtet ihre medial offene und oft kollaborative Arbeitsweise nach dem Anlass des öffentlich Werdens aus. Aus dem forschenden Ansatz heraus entwickelt sich eine Praxis, die die eigene Perspektive ebenso thematisiert wie die recherchierten Inhalte in einer gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Realität. Derzeit koordiniert sie mit der Künstlerin Anita Ekman (Goethe-Institut São Paulo) und dem Indigenen Anthropologen João Paulo Tukano (UFAM Manaus) das Projekt „Atlas Brasiliensis – a counter-narrative of the Rainforests“. In Zusammenarbeit mit Ivan Barreto, Carla Sarmento Fernandes, Janine Castro Fontes (Bahserikowi – Indigenes medizinisches Zentrum Manaus), Laura Kemmer (USP São Paulo) und Freg Stokes (Max-Planck-Institut für Geoanthropologie) wird dabei die koloniale Vorstellung vom Amazonas-Regenwald, seinen Bewohner:innen und die damit einhergehende Bildproduktion, die von deutschen Forschungsreisenden im 19. und frühen 20. Jahrhundert geprägt wurde, untersucht.

Laura Kemmer ist Inhaberin des Martius-Lehrstuhl Deutschland-Brasilien für Humanwissenschaften und Nachhaltigkeit (DAAD) an der Universität São Paulo. Laura arbeitet an der Schnittstelle von Stadtanthropologie, -Geographie und den Environmental Humanities zu Planetary Health/Healing, Repair/Reparation und zu Mensch-Umwelt Beziehungen in urbanen Zentren zwischen Brasilien und Deutschland. Aktuelle Publikationen: “Kartographien des Verborgenen” (Dérive No 102/2026); “Urban Critical Zones as a Problem of Coexistence” (Berghahn, i.E.), Planetability (i.E. 03/2026, Berlin Universities Publishing & USP Institute of Advanced Studies). Aus ihren Forschungsprojekten sind kollaborative Ausstellungsformate und kritische Praktiken hervorgegangen, wie „Riparian Struggles: Reading the Sediments“ (Museu das Culturas Indígenas, São Paulo), “Letters to the Saracura: Tactical Listening” (mit Lucio Telles, Goethe-Institut Rio de Janeiro, Campus Anthropocene Latin America, Rio de Janeiro), „Planetary Design: Reclaiming Futures“ (Spore Initiative Berlin); sowie die Seminar- und Konferenzserie Martius Revisited I-III (USP, DWIH São Paulo, u.a.).