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Threads, Loose Ends, Another Sculpture Is Possible

Datum
Uhrzeit
Termin Label
Symposium
Organisationseinheiten
Bildende Kunst
Ort, Treffpunkt (1)
Bildhauereiateliers
Ort, Adresse (1)
Kurzbauergasse 9
Ort, PLZ und/oder Ort (1)
1020 Wien
Ort, Raum (1)
EG 23

Wie zeitgenössische Skulptur hergestellt, diskutiert und interpretiert wird – ebenso wie das Verständnis ihrer komplexen materiellen, räumlichen, situativen und thematischen Beziehungen – bildet nur den Ausgangspunkt für die vielschichtigen Diskussionen, die in jedem in den Bildhauereiateliers angesiedelten Fachbereich der Akademie der Bildenden Künste Wien stattfinden. Dieses Symposium entstand aus dem Bemühen, einige dieser laufenden Diskurse zusammenzuführen und über den internen Rahmen der Akademie hinaus einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Jede_r Vortragende wurde von einem anderen Fachbereich eingeladen, wodurch die Vielfalt der vertretenen Perspektiven hervorgehoben wird.

Vortragende
Raymond Wladyslaw Barion und Harald Thys
Joëlle Tuerlinckx
Samia Henni
Henrike Nauman

Programm

11 h
Vortrag von Raymond Wladyslaw Barion und Harald Thys
Eingeladen vom Fachbereich Kunst und Raum | Installation, Prof.in Nora Schultz

Eine kleine Geschichte der Maschine
Anhand von 10 historischen Beispielen skizzieren die beiden Künstler ein Porträt der Maschine: die unmögliche Maschine, die fantastische Maschine, die idiotische Maschine, die nachahmende Maschine, die sabotierte Maschine usw.

Die Arbeiten von Harald Thys (1966, Wilrijk, Belgien) in Zusammenarbeit mit Jos de Gruyter (1965, Geel, Belgien) nutzen ein breites Spektrum an Medien, darunter Video, Malerei, Skulptur und Fotografie. Es gibt schlechte Witze. Und dann, wie die Künstler betonen, „gibt es Dinge, die so schlecht sind, dass sie zum Witz werden“. Dieses tückische Terrain erkunden de Gruyter und Thys und schöpfen daraus, um Arbeiten zu schaffen, die zugleich irritierend und anziehend sind. Ihre Werke wurden in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt, u. a. im Kunstverein München, Schinkel Pavillon Berlin, Museum of Contemporary Art Chicago, MoMA PS1 New York, Kunsthalle Wien und Kunstverein Basel. Sie vertraten Belgien auf der 58. Biennale von Venedig und nahmen an weiteren Biennalen teil, u. a. der 5. Berlin Biennale und Manifesta 7, Trentino-Südtirol.

Raymond Wladyslaw Barion: Nach 1980 geboren, gelte ich als Digital Native, jemand, der mit vollem Zugang zum digitalen Datenstrom aufgewachsen ist, während die Kunstwelt weiterhin stark aus und von Digital Immigrants (vor 1980 Geborenen) geprägt ist. Dies zeigt sich in der jahrzehntelangen ablehnenden Haltung gegenüber digitaler Kunst und ist in den meisten einflussreichen Institutionen und Kunstakademien weiterhin spürbar. Was sehr merkwürdig ist, da Kunst immer synonym mit technologischer Entwicklung war. In meiner Arbeit versuche ich, mit diesen Widersprüchen und Phänomenen aus Vergangenheit und Gegenwart zu arbeiten und sie als Grundpfeiler für meine künstlerische Praxis zu nutzen

13 h
Vortrag von Joëlle Tuerlinckx
Eingeladen vom Fachbereich Kunst und Intervention | Umfeld, Prof.in Judith Huemer

Joëlle Tuerlinckx (*1958, lebt und arbeitet in Brüssel) ist eine Künstlerin, deren Arbeiten häufig als Archivmaterial auftreten. Ihr visuelles Vokabular umfasst Bücher, Vitrinen, Wandinstallationen, Videobildschirme und die Ausstellungsräume selbst. In ihren situationsspezifischen Präsentationen stellt sie Beziehungen zwischen einfachen Dingen, Fundstücken, Texten, Zeichnungen, eigenen früheren Arbeiten und filmischem Material her. Durch verschiedene Transformationsmethoden und ein unendliches System an Referenzen und Zitaten lassen sie Raum und Zeit, Gegenwart und Vergangenheit, Erinnerung und Unmittelbarkeit auf gleicher Ebene erleben. Tuerlinckx’ Arbeiten sind veränderlich; sie bleiben nur für einen Moment fixiert.
Sie nahm u. a. teil an Skulptur Projekte Münster (2017), Manifesta 10 St. Petersburg (2014), Manifesta 3 Ljubljana (2003) und Documenta 11 Kassel (2002). Wichtige Einzelausstellungen umfassen Artium, Vitoria-Gasteiz (2024/25), Dia:Beacon – Dia Art Foundation, New York (2018), Kunstmuseum Basel/Museum für Gegenwartskunst (2016), Haus der Kunst München (2013), Arnolfini Bristol (2013), Wiels Contemporary Art Centre Brüssel (2012), Reina Sofia Madrid (2009), Drawing Center New York (2006) und MAMCO Genf (2004). 2018 erhielt sie einen Ehrendoktortitel der Hasselt University, Belgien, Fakultät für Architektur und Kunst.

14:30 h
Lunch-Intervention
Initiiert von der Werkstatt für Abform- und Gusstechnik und der Werkstatt für analoge und digitale Produktion

Zwei Organismen treten in Beziehung: Homo sapiens und Pilz. Letzterer, so der Biologe Merlin Sheldrake, ist dem Menschen näher als der Pflanze – nicht lichtorientiert, sondern nährstoffsuchend; nicht abgeschlossen, sondern mit seiner Umgebung verwoben. Während wir Nahrung aufnehmen, wächst der Pilz in sie hinein. Dieses Prinzip wird zum Ausgangspunkt gestalterischer Forschung: Aus Myzel entstehen experimentelle Objekte für einen Esstisch. In diesem Setting begegnen wir zwei Aspekten des Pilzes – als Material der Objekte und als Speise in Form eines Schwammerlgulaschs – das in einer gemeinsamen Mahlzeit geteilt wird.

Table for 2 entstand im Rahmen des Sonderlehrprojekts Pilzmyzel als Material für die Kunst in Zusammenarbeit mit Studierenden des Instituts für Bildende Kunst, des Instituts für Kunst und Architektur und des Instituts für Konservierung und Restaurierung.

15:30 h
Vortrag von Samia Henni
Eingeladen vom Fachbereich Kunst und Raum | Raumstrategien, Prof.in Iman Issa

Samia Henni ist Historikerin und Kuratorin für gebaute, zerstörte und imaginierte Umgebungen sowie deren Beziehung zu Kolonialismus, Krieg und Umweltverschmutzung. Ihre jüngsten Forschungen mündeten in die Ausstellungen Psychocolonial Spaces (2025–; Bozen), Performing Colonial Toxicity (2023–; Amsterdam, Zürich, London, Providence, Paris, Berlin, Ottawa), Housing Pharmacology (2020–21; Marseille, Paris), Discreet Violence: Architecture and the French War in Algeria (2017–2022; Zürich, Rotterdam, Berlin, Johannesburg, Paris, Prag, Ithaca, Philadelphia) sowie in die Bücher Colonial Toxicity: Rehearsing French Radioactive Architecture and Landscape in the Sahara (EN, 2024, 2025; FR, 2025), Architecture of Counterrevolution: The French Army in Northern Algeria (EN, 2017, 2022; FR, 2019) und die Bände Deserts Are Not Empty (EN, 2022, 2025; IT, 2024) und War Zones (2018), von denen sie die Herausgeberin ist.

Sie promovierte in Geschichte und Theorie der Architektur an der ETH Zürich (mit Auszeichnung, ETH-Medaille) und lehrte u. a. an der Princeton University, der ETH Zürich, der Hochschule der Künste Genf, der Universität Zürich und der Cornell University. Derzeit unterrichtet sie an der Peter Guo-hua Fu School of Architecture der McGill University.

17:30 h
Vortrag von Henrike Naumann
Eingeladen vom Fachbereich Kunst und Raum | Objekt, Prof. Julian Göthe

Henrike Naumann wurde 1984 in Zwickau (DDR) geboren und lebt und arbeitet in Berlin.
Naumann reflektiert gesellschaftspolitische Probleme auf der Ebene von Design und Interieurs und untersucht die Reibungsflächen zwischen gegensätzlichen politischen Positionen im Umgang mit Geschmack und persönlicher Alltagsästhetik. In ihren immersiven Installationen arrangiert sie Möbel und Objekte und schafft szenografische Räume, in die sie Video- und Soundarbeiten integriert. Ihre Praxis reflektiert Mechanismen der Radikalisierung und deren Verbindung zur persönlichen Erfahrung.

Ihre künstlerische Arbeit wird von zahlreichen Vorträgen und interdisziplinären Kooperationen begleitet, in denen die in ihren Arbeiten immanenten Fragen reflektiert werden. Naumann wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, und bedeutende Ausstellungen ihrer Werke fanden u. a. im Sculpture Center in New York, im Busch-Reisinger Museum derHarvard University, im MoMA Warschau, im Wall Memorial des Deutschen Bundestages sowie auf der Ghetto Biennale in Haiti und der Kyiv Biennale in der Ukraine statt. Henrike Naumann und Sung Tieu wurden als Künstlerinnen für den Deutschen Pavillon der 61. Biennale di Venezia 2026 ernannt.

Naumann ist Fellow des Berlin Artistic Research Program 2024/25 und tritt eine Professur für Bildhauerei an der Hochschule für bildende Künste Hamburg ab 2026 an. Derzeit erforscht sie die Beziehung zwischen Kunst und Krieg.

Grafikdesign: Vika Prokopaviciute
Idee und Organisation: Gabriele Edlbauer
Organisatorische Unterstützung: Katharina Köhle, Lucie Deubler, Michael Part, Noële Ody, Roland Kollnitz, Simone Bader, Tobias Pilz, Yein Lee & Zahra Mirza