Skip to main content

Die Akademie trauert um Wolfgang Hollegha (1929 – 2023)

Kondolenzbuch:
kondolenzbuch@akbild.ac.at
Die Kondolenzschreiben werden auf dieser Seite öffentlich gemacht.

Von 1972 bis 1997 war Prof. Hollegha als Professor an der Akademie der bildenden Künste tätig, wo er zuletzt eine Meisterklasse für Malerei leitete.

Wolfgang Hollegha wurde am 4. März 1929 in Klagenfurt geboren, der Vater war schon vor der Geburt gestorben, die Mutter bald danach. Bei der Schwester der Mutter im steirischen Frohnleiten – ganz nahe seiner langjährigen Heimat am Rechberg – wuchs er auf. Nach der Matura in Graz besuchte er von 1947 bis 1954 die Akademie der bildenden Künste in Wien, studierte in der Meisterklasse Josef Dobrowsky und freundete sich mit Josef Mikl an. Gemeinsam mit Markus Prachensky und Arnulf Rainer gründeten die beiden 1956 die „Malergruppe St. Stephan“ um den Kirchenmann und Kunstfreund Monsignore Otto Mauer, die den Siegeszug der expressiven Abstraktion in Österreich anführen sollte.

Die Möglichkeit zu internationalem Ruhm bot sich rasch: 1958 erhielt Hollegha den Guggenheim-Preis, 1959 wurde er vom New Yorker Kunstkritiker Clement Greenberg entdeckt, der ihn zu einer Gruppenausstellung mit den Stars der abstrakten Malerei wie Morris Louis, Barnett Newman, Kenneth Noland und David Smith einlud. 1960 holte Greenberg den jungen Österreicher auch zu einer Einzelpräsentation nach New York. Zweimal, 1964 und 1966, stellte Hollegha im Guggenheim Museum aus. Trotz dieser Erfolge entschied sich der Künstler, nicht in New York, damals Zentrum der modernen Malerei, zu bleiben, sondern kehrte nach Österreich zurück, kaufte seinen 400 Jahre alten Bauernhof am Rechberg und begann mit dem Bau seines 14 Meter hohen Sommer-Atelierturms in der Abgeschiedenheit.

1961 wurde Hollegha mit dem Carnegie-Preis Pittsburgh ausgezeichnet, 1964 präsentierte er sein Werk bei der „documenta III“ in Kassel. Im Jahr darauf nahm er den Körner-Preis entgegen, 1967 folgte der Joanneums-Kunstpreis des Landes Steiermark, 1990 erhielt der Künstler die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold. Mit 90 Jahren wurde er mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark gewürdigt.

Von 1972 bis 1997 war Hollegha als Professor an der Akademie der bildenden Künste tätig, wo er zuletzt eine Meisterklasse für Malerei leitete. Er emeritierte gemeinsam mit Arik Brauer, Friedensreich Hundertwasser, Anton Lehmden und Josef Mikl. Holleghas Bilder sind heute in zahlreichen österreichischen Museen zu finden – etwa in der Albertina, im Belvedere oder im mumok.

Vertreterinnen und Vertreter der heimischen Politik reagierten mit Betroffenheit auf Holleghas Ableben. „Ohne das Werk von Wolfgang Hollegha wäre die österreichische Kunstgeschichte anders geschrieben worden. Er hat nicht nur im Rahmen des abstrakten Expressionismus bereits sehr früh wesentliche Erfolge gefeiert, sondern er hat – trotz früher steiler internationaler Karriere – Österreich zu seinem Wirkungsort erkoren und damit unsere Kunst- und Kulturnation in einer Weise erstrahlen lassen, die singulär bleibt“, würdigte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) den Verstorbenen in einer Aussendung.

Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sprach von einem „außerordentlichen Verlust“: „Wolfgang Hollegha war ein Ausnahmekünstler, der zu Lebzeiten Spuren hinterlassen hat, die weit über seinen Tod hinaus sichtbar bleiben.“ Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) würdigte einen „unbeirrbar seinen Ideen folgenden Künstler von Weltformat“, der sich als österreichischer Avantgardist in die Kunstgeschichte einschreiben werde. „Mit Wolfgang Hollegha verliert die Steiermark einen großen Künstler. Unabhängig von Kunstmoden, entwickelte er seine ganz eigene Malweise, einen eigenen, einzigartigen Stil. Dabei war ihm die Annäherung an die Natur ein besonderes Anliegen. Er hat es auf unnachahmliche Weise verstanden, das was er sieht und empfindet auf die Leinwand zu übertragen“, kondolierte der steirische Landeshauptmann Christopher Drexler (ÖVP). Dessen Amtsvorgänger Hermann Schützenhöfer (ÖVP) zeigte sich ebenfalls betroffen: „Ich war immer ein Bewunderer von Wolfgang Hollegha. Seine Bilder bleiben in ihrer Ausdrucksform geradezu unerreichbar.“

APA, 04.12.2023
https://apa.at/news/maler-wolfgang-hollegha-mit-94-jahren-gestorben-3/  

Danke für die so farbenfrohen, dynamischen, das gesamte Universum präsentierenden und einem so positiv stimmenden Gemälde! Einfach großartig! Fühle mich reich beschenkt durch sein großes Oeuvre. Unvergesslich! 
Paloma Treu

Schwerelos schwebend eingehüllt in strahlende Farbigkeit… Wolfgang Hollegha (1929 – 2023)

Wolfgang Hollegha traf ich erstmals im Alter von 6 Jahren. Mein Großonkel und ich waren durch dunkle Wälder und hohe Blumenwiesen zu Fuß zum 400 Jahre alten Bauernhaus am Rechberg vorgedrungen. Ziel war es, ein Bild für das neugebaute Haus meines Onkels zu kaufen.

Ein stattlicher Herr mit schwarzem Hut, großen dunklen Augen und einem schwarzen Vollbart öffnete. Seine Stimme wurde vom Gebell des Hundes übertönt. Wir schienen ihn aus der Arbeit gerissen zu haben. Doch Ehefrau Edda, die immer an seiner Seite stand, bat uns ins Haus.

Im Eingangsbereich des dunklen Vorraums stand ein riesiges, farbgewaltiges Bild – davor ein ebenso überdimensionaler Riesenbärenklau.

„Vorsicht! Bitte, nicht anstoßen! Das ist ein Motiv…“ und schupste mich weg. Mein Mund blieb offen vor Staunen. Noch nie hatte ich die Farben so tanzen gesehen. Hier in diesem alten Bauernhaus, hier in dieser Begegnung eröffnete sich für mich eine neue Welt. Es war wohl diese prägende Erfahrung mit dieser einzigartigen mir unbekannten Ästhetik, die meine Faszination für Malerei weckte und mich später bewog auf der Akademie der Bildenden Künste zu studieren.

Aus der Meisterklasse Hollegha tönte stets in voller Lautstärke Musik von Johann Sebastian Bach und es roch immer herrlich nach Leinöl, Ölfarbe und Terpentin. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde: „Der Meister kommt vom Rechberg“. Es herrschte ehrfürchtige Erwartung gebart mit Nervosität, denn sehr kritisch beäugte er die Werke der Studierenden und fand sie meist weniger gut.

Seinem eigenen Werk gegenüber war er jedoch sein ärgster Kritiker. Beständig arbeitend und malend verwarf er viele seiner Arbeiten. Wie gern hätten viele von uns, nur ein Stück eines seiner „missglückten Leinwände“ erworben. Der Meister aber war radikal konsequent. Alles was „nicht richtig war“, wurde verbrannt.

„Eigentlich war ich immer ein fauler Maler“, erzählte er meiner Studierendengruppe bei einem Besuch im Atelier am Rechberg, „ich habe gar nicht so viel gemacht.“ Dem Hollegha ging es nicht darum, für den Kunstmarkt zu produzieren und zu verkaufen. Er wollte ausschließlich stimmige, qualitätsvolle Arbeiten schaffen. Er rang darum sein „bestes Bild“ zu malen. Er, der schon im Alter von 30 Jahren den Durchbruch in Amerika schaffte und somit jede Möglichkeit gehabt hätte, ein Weltstar zu werden, zog es vor sich aus dem Kunsttrubel herauszuhalten. Stattdessen tauchte er im Waldatelier zurückgezogen immer tiefer in das Wesen der Farbe und der Natur ein.

Wolfgang Hollegha lebte seine Ideale, kompromisslos ohne Rücksicht auf Moden und Märkte.

Die einfachen Handwerker - der Zimmerer, der Schmied, die ihm halfen seine architektonischen Vorstellungen zu verwirklichen oder die Bauern, die ihn mit Nahrung versorgten und der Imker, dessen Honig er täglich benötigte, waren ihm mindestens so wichtig, wie die großen Kunstmanager*innen. Wenn er mit seinem Jeep vorfuhr, war der geniale Meister aus Wien, einer von den Rechbergern.

„Das Bild, das sie sich vorstellen, kann ich leider nicht malen“, sagte er damals ohne jede Überheblichkeit zu meinem Onkel. Wir verließen das Haus ohne Bild und waren trotzdem erfüllt von dieser Begegnung. Und so habe ich zwar keinen Hollegha bei mir hängen, fühle mich aber vom Gesamtkonzept Hollegha durchdrungen.

Wolfgang Hollegha und seine Frau Edda haben den Rechberg mit ihrer intellektuellen Weitsicht ein Stück für die Welt geöffnet – den Rechbergern gleichzeitig aber auch vorgelebt, großzügig, bescheiden und im Einklang mit der Natur zu bleiben.

Nicht nur sein unverwechselbarer Kunststil hat entscheidend geprägt –sein konsequenter authentischer Lebensstil –seine „Grammatik der Wahrnehmung“ waren prägend und sind ein Vermächtnis für Österreich und die Welt. Dafür gebührt Dankbarkeit und Hochachtung.

Das Herz des Meisters steht still – aber seine strahlenden Farben schwerelos schwebend werden weiter tanzen und die Menschen berühren und aktivieren, mehr denn je.

In dankbarerer Erinnerung
Dr.in Mag.art Franziska Pirstinger

Meine Anteilnahme gilt Karoline und Daniel samt Familien.